Dienstag, 23. August 2016

Formicula




















Regie: Gordon Douglas

Fiese Bugs...


Der beste Science Fiction Film der 50er Jahre ist sicherlich Don Siegels "Die Dämonischen". Aber gleich danach gibt es fünf gleichwertige Verfolger: "Die Zeitmaschine" (George Pal, 1959), Das Ding (Christian Nyby, 1951), Der Tag, an dem die Erde stillstand (Robert Wise, 1951), Die unglaubiche Geschichte des Mr. C. (Jack Arnold, 1954) und "Formicula" - der erste der Nuklear-Monster Filme und der erste Big Bug Kinohit. Der Film heißt im Original "Them" und wurde von Gordon Douglas im Jahr 1954 inszeniert. Ein Regisseur, der verlässliche Qualitätsarbeiten ablieferte und in beachtlicher Weise auch tolle Genrefilme ablieferte. Vor allem seine Western "Im Höllentempo nach Fort Dobbs", "Man nannte ihn Kelly", "Rio Conchos", "Chuka" oder "Barquero" sind Klassiker geworden. Darüberhinaus drehte er mit "Den Morgen wirst du nicht erleben" einen guten Noir mit James Cagney und mit "Auf hoher See" einen Evergreen mit dem grandiosen Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy. In seiner späteren Schaffensphase drehte er oft mit Frank Sinatra (Sieben gegen Chicago, Der Schnüffler, Der Detektiv, Die Lady in Zement).
Dennoch halte ich "Formicula" für seinen besten Film überhaupt. 1955 wurde er sogar in der Kategorie "Beste visuelle Effekte" für den Oscar vorgeschlagen. Im Vorspann erscheint "Them", der Titel des schwarz-weiß Films, im grellen Rot. Diese Farbe steht für die fiesen Bugs, aber man könnte auch an die Kommunisten denken, denn zu dieser Zeit musste das freie Amerika ja seine Bürger auf den kalten Krieg und dessen kommende Konflikte einstimmen. Die erste Szene ist sogar eine der besten des ganzen Films. Ein kleines Mädchen (Sandy Descher) irrt gedankenverloren, sichtlich unter Schock, durch die Wüste von New Mexiko. In der Hand hält sie noch ihre kleine Puppe fest. Als die beiden Polizisten Sergeant Ben Peterson (James Whitmore) und Ed Blackburn (Chris Drake) die Kleine in der Nähe von Alamogordo finden, müssen sie weiter rätseln. Denn das Mädchen kann nicht reden. In der Nähe finden die beiden den Wohnwagen der Eltern, die Familie ist verschwunden und alles sieht verwüstet aus. Ein großer Fußabdruck lässt einen Berglöwen vermuten, während im Wüstenwind ein seltsam pulsierendes, schrilles Geräusch zu hören ist, das dem Mädchen Angst macht. Kurze Zeit später finden die beiden Polizisten in dem Gemischtwarenladen in der Nähe  die Leiche des Besitzers. Die Zuckervorräte sind verschwunden und es riecht nach Ameisensäure. Petersen fährt in die Stadt um Verstärkung zu holen, während Blackburn am Tatort wartet. Man hört wieder diese surrenden Geräusche, als der Mann den Laden verlässt hört man die Schüsse, die er abfeuert und seinen Todesschrei. Das FBI wird eingeschaltet, aber auch Agent Robert Graham (James Arness) kann sich keinen Reim darauf machen. Nur gut, dass es Wissenschaftler wie die Biologen Dr. Harold Medford (Edmund Gwenn) und seine Tochter Dr. Patricia Medford (Joan Weldon) gibt, die wissen das in dieser Gegend vor einigen Jahren Atomtests durchgeführt wurden und möglicherweise monströse Mutationen von kleinen Insekten hervorgebracht haben. Und tatsächlich haben die beiden Wissenschaftler recht. Ein Nest mit hunderten von Ameisen wird in der Wüste gefunden. Die Bugs haben die stattliche Größe bis zu 3 1/2 Metern und werfen die Skelette ihrer menschlichen Nahrung vor den Bau. Da hilft nur ausräuchern. Doch zwei Ameisenköniginnen entkommen und fliegen davon. Der ulitmative Showdown findet dann auf dem Ozean und in der Kanalisation von Los Angeles statt...



"Die Fühler, Schieß auf die Fühler" und Dr. Medford als Experte weiß das genau. In Formicula tun sich Polizei, FBI und die Wissenschaft zusammen, um gemeinsam gegen die tödliche Gefahr zu kämpfen. Sehr schnell wird das Kriegsrecht ausgerufen und der Ausnahmezsutand verhängt. Gordon Douglas inszenierte sehr straff und äusserst spannend und spielt geschickt mit den Ängsten des Zuschauers. Dabei sind die Riesenameisen recht gut gelungen, auch wenn der Film seine Spannung auch aus den szenen bezieht, wo die Monsterviecher gar nicht zu sehen sind. Etwa dann wenn das Geräusch in der Wüste ihr Kommen ankündigt oder in der erwähnten ersten Szene, wenn man den Schrecken im Gesicht des Kindes sieht. Am Ende sind wieder zwei kleine Jungs in Gefahr. Nur gut, dass es todesmutige Männer gibt, die einen Rettungsversuch in der Kanalisation starten. Sehr gelungen auch die gefahrvolle Reise in den ausgeräuchteten Bau in der Wüste. Schauen, ob keines der Tiere überlebt hat. Und an der Seite der beiden Männer die starke Frau. Am Ende deutet sich auch an, dass sie und der FBI Agent starke Sympathien füreinander hegen. Jack Arnold fand den Film so toll, dass er ein Jahr später Spinnen in Monstergröße in die Kinos brachte, seine "Tarantula" wurde auch ein riesiger Hit.





Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Onibaba

























Regie: Kaneto Shindo

Der Überlebenskampf in Zeiten des Kriegs....

Regisseur Kaneto Shindo, der 2012 im Alter von 100 Jahren verstarb, drehte in den 60er Jahren seine bekanntesten Filme. "Die nackte Insel" wurde 1960 mit dem großen Preis auf dem Internationalen Filmfestival Moskau ausgezeichnet. Danach folgten die Horrorfilme "Onibaba- Die Töterinnen" (1964) und "Yabu no naka no kuroneko" (1968). Diese Filme hatten vor allem starke Frauen als Hauptfiguren. "Onibaba" ist aber der bekannteste Film von ihm und heißt übersetzt "Dämonin". Visuell eindrucksvolle Bilder in schwarz weiß, dazu die hypnotische Musik des Komponisten Hikaru Hayashi zeichnen den Streifen mit Anteilen des japanischen Theaters (Nö) aus.
Die Geschichte, die der Regisseur dem Zuschauer zeigt, spielt während eines Bürgerkrieges im Japan des 14. Jahrhunderts. Zwei verfolgte Krieger finden Schutz im Schilf. Diese Gräserlandschaft wirkt wie ein riesiges Gitter, ein Gefängnis, aus der ein kein Entrinnen gibt. Aber anscheinend haben sie ihre Verfolger zu Pferd abschütteln können. Einer der Männer ist verletzt. Doch sie sitzen in einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Eine Waffe durchbohrt einen der Männer, der andere schreit auf. Die Töterinnen haben zugeschlagen. Eine junge Frau (Jitsuko Yoshimura) und ihre Schwiegermutter (Nobuko Otowa) töten flüchtende Samurai oder umherirrende Soldaten, rauben die Leichen aus und werfen sie dann anschließend in ein riesiges Loch, das sich irgendwo in dieser unendlich wirkenden Schilflandschaft befindet. In diesen Bürgerkriegszeiten müssen die Frauen alleine ums Überleben kämpfen. Nach getaner Arbeit wird erst mal gegessen, denn das Töten macht hungrig. Dann ausruhen und schlafen. Die Habseligkeiten der Toten, vor allem Rüstungen und Waffen, verkaufen sie an den gierigen Händler Ushi (Taiji Taonoyama). Eines Tages kehrt ihr Nachbar Hachi (Kei Sato) vom Krieg zurück. Doch der bringt auch eine traurige Nachricht mit nach Hause. Sein Freund (der Sohn der alten Frau und der Mann der Jüngeren) ist auf dem Weg nach Hause von einer Banditenbande ermordet worden. Vor allem die ältere Frau misstraut dem Nachbarn und fragt sich warum er alleine zurückkommt. Sie befürchtet auch eine beginnende Liebschaft zwischen Hachi und ihrer Schwiegertochter, weil er ein Auge auf die hübsche Frau geworfen hat. Die Einsamkeit und der Verzicht auf körperliche Liebe setzt der jüngeren Frau auch zu. Heimlich beginnen sie eine Affäre und leben nachts ihre zügellose Erotik aus, sie begehren einander immer mehr. Die alte Frau bekommt die nächtlichen Ausflüge ihrer Schwiegertochter mit, ist eifersüchtig und fürchtet um ihre Existenz, weil sie alleine ihre den Lebensunterhalt sichernden Raubmorde nicht durchführen kann. Eines Nachts taucht bei ihr ein Samurai (Jukichi Uno) auf, der sein Gesicht unter einer Teufelsmaske verbirgt. Der Mann hat sich in der Schilflandschaft verirrt und zwingt die alte Frau ihm den Weg zu zeigen, der wieder rausführt. Mit einer List gelingt es ihr, dass er in dieses bodenlose Loch fällt. Sie beraubt ihn, während er in dieser Höhle stirbt, vor allem die Teufelsmaske hat es ihr angetan...





Der Samurai hat ihr vorher noch erzählt, dass er die Maske deshalb nicht abnimmt, weil sich das schönste Gesicht darunter verbirgt. Als sie diese Maske dem Sterbenden abnimmt, bemerkt sie wie schwer dies ist. Die Maske lässt sich nur sehr schwer herunternehmen, als sei sie zu einer weiteren Stück Haut geworden. Als sie es schließlich geschafft hat, sieht sie einen Mann mit lepraartigem und blutigem Gesicht, man denkt irgendwie auch an die Atombombenopfer von Hiroshima und Nagasaki bei diesem Anblick. Ist es eine Maske aus der Zukunft ? Die alte Frau wird nun die Trägerin dieser Maske in diesem aussergewöhnlichen und atmosphärisch dichten Werk über menschliche Begierden und Bedürfnisse in ihrer dunklen Ausprägung. Alles in einer Zeit des höchsten Überlebenskampfes und vor allem es war schon immer so und wird auch immer so sein. Der Mensch, der nur überlebt, wenn er bereit ist seine Existenz über die der anderen zu stellen und Herr einer ihm feindlichen Umgebung zu werden. Obwohl der Film vielfach als Horrormovie bezeichnet wird, ist er kein klassischer Genrefilm. Sondern eher ein Film mit einer Schilderung der Menschen in chaotischen Zeiten. Das Schilf ist zugleich auch Lebensraum, Gefängnis, Bedrohung und Versteck. Auch das poetische Bild, das das hohe Schilf rein oberflächlich vermittelt, ist mehr als trügerisch. Schrecken lauert unter dieser Oberfläche, aber auch eine archaische und animalische Kraft. "Onibaba" spielt in der zeit des zermürbenden Bürgerkriegs von 1336 und 1392, macht aber auch Betrachtungen anderer geschichtlichen Ereignissen und Zeiten. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen liefern hervorragende Leistungen ab. Beide sind aufeinander angewiesen und bilden eine erfolgreiche Zweckgemeinschaft. Als der Mann auftaucht, bröckelt diese lebenswichtige Allianz. Eine herausragende Perle des japanischen Films.





Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Samstag, 13. August 2016

Invasion vom Mars

























Regie: William Cameron Menzies

Von grünen Männchen und Kommunisten...

Leider hat die deutsche DVD des 50er Jahre Science Fiction Kultfilms "Invasion vom Mars" eine extrem bescheidene Bild- und Tonqualität. Dies ist besonders deshalb bedauerlich, weil gerade die Farbkamera von John F. Seitz einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Zukunftsfilms hatte. John F. Seitz ist nicht irgendein B-Picture Kameramann, sondern wurde im Laufe seiner Karriere insgesamt für 7 Oscars nominiert und er war der Director of Photographie in Filmen wie "Die vier Reiter der Apocalypse" (1921), Sullivans Reisen (1941), "Fünf Gräber bis Kairo" (1943), "Frau ohne Gewissen" (1944) und "Das verlorene Wochenende" (1945). "Die Nacht hat 1000 Augen" (1948), "Spiel mit dem Tode" (1948) und "Sunset Boulevard" (1950). Seine Stärke waren damit sicherlich die düsteren Bilder, die man für die Schwarze Serie brauchte. Daher wäre es schon interessant gewesen zu sehen wie Seitz die Farbkamera in einer Low-Budget Produktion nutzt. Wie gesagt: Durch die schlechte Bildqualität ist dies nur bedingt möglich.
Tatsächlich sind einige Szenen des Films sehr gut, andere aber wieder wirken sehr naiv und teilweise sorgt die Handlung für unfreiwillige Lacher. Also von allem etwas. Man kann vielleicht sagen, dass "Invasion vom mars" auch ein Zeitgeistfilm ist - ein Science Fiction Film, der die damalige Angst vor grünen Männchen, Kommunisten oder der Atombombe aufnimmt und dabei auch das Wettrennen in Richtung Weltraum aufnimmt. Die Ausserirdischen werden von Statisten in grünen Samtanzügen mit Reißverschluß am Rücken dargestellt. Der Kopf des Obermarsianers wird von den sklavishen Mutanten in Grün in einem Goldfischglas herumgetragen. Aus heutiger Sicht sind sowohl die Spezialeffekte als auch die Ausstattung des Films auf ganz niedrigem Niveau.
Die Musik kommt fast bekannt vor. Ich denke diese unheimlichen Laute gabs in ganz vielen Science Fiction Filmen dieser Zeit, immer wenn die fliegende Untertasse Leben entwickelt, hört man diesen eindringlich hysterischen Soundtrack von von Mort Glickman und Raoul Kraushaar.
Der kleine David (Jimmy Hunt) ist ein großer Fan der Astronomie und ist fasziniert vom Weltraum und von fremden Planeten. Kein Wunder, denn sein Vater George McLean (Leif Erickson) ist Wissenschaftler bei der Weltraumbehörde und der Sohnemann hat in seinem Kinderzimmer ein Teleskop, mit dem er nachts die Sterne erkunden kann. Tatsächlich gewittert es stark in dieser Nacht, der Junge wird wach und sieht eine fliegende Untertasse am Himmel, die in einem Sandhügel - nahe des Hauses - landet und dann wie von Geisterhand verschwindet. Er erzählt noch in der Nacht seinem Vater davon, der so neugierig geworden ist, dass er im Morgenmantel zum Sandhügel läuft und am anderen Morgen immer noch nicht zu Hause ist. Da sich Mary MacLean (Hilary Brooke) große Sorgen macht, ruft sie die Polizei. Als diese sich auf den Weg zum Sandhügel machen, steht der Vater auch schon wieder im Haus und scheint sich total verändert zu haben. Er agiert aggressiv und schlägt den kleinen David sogar. Auch die Polizisten, die dann wieder auftauchen, benehmen sich merkwürdig - Mrs. MacLean hat das Gefühl, dass sie sich mit ihrem Mann wie eine Verschwörerclique unterhalten. Wie recht sie doch hat: Alle drei sind in diesen Sandhügel geflogen, wo sich ein UFO befindet. Mittels einer im Hals implantierten Vorrichtung werden sie von den grünen bösen Eindringlinglingen per Gehirnwäsche zu willenlosen Automaten verwandelt und müssen Befehle befolgen. David ist der Einzige, der alle Hebel in Bewegung setzt die drohende Invasion zu melden. Immerhin findet er mit der Ärztin Dr. Blake (Helena Carter) und dem berühmten Weltraumforscher Dr. Kelston (Arthur Franz) zwei Verbündete. Gemeinsam können sie auch Oberst Fielding (Morris Ankrum) überzeugen, dass der Krieg gegen die Feinde sofort begonnen werden muss...



Und damit sieht der Zuschauer auch endlose Einstellungen von Militärzügen zu sehen, Tausende von Soldaten und eine riesige Anzahl von Panzern wird gegen den Kampf gegen die vergrabene Untertasse aufgeboten. Im Original stellt sich am Ende alles als Traum von David heraus, hat aber dennoch einen fiesen Widerhaken am Ende. Die deutsche Fassung endet mit der Explosion des Raumschiffs. Schade, ich denke da hätte man nicht einfach kürzen müssen. Regisseur des Kultfilms, der viele Fans gefunden hat, aber auch viele Zuschauer, die den Film extrem billig finden, war der filmverrückte William Cameron Menzies. Er erhielt bereits 1929 einen Oscar - allerdings nicht als Regisseur, sondern in der Kategorie Best Art Direction. Er war ausserdem Produzent und auch Drehbuchautor.



Bewertung: 6 von 10 Punkten

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde



Regie: Henry Levin

Die verrückte Lindenbrook Expediton....

Aufgrund des riesigen Erfolgs von Richard Fleischers "20.000 Meilen unter dem Meer" im Jahr 1954 gab es in den 50er und 60er Jahren weitere Jules Verne Verfilmungen. So landete auch auch Michael Anderson mit seinem "In 80 Tagen um die Welt" einen Hit und einen fünffachen Oscartriumph. Es folgten "Die geheimnisvolle Insel", dieser Film von Cy Endfield wurde auch von den Special Effects des Ray Harryhausen aufgewertet. Henry Levin realisierte im Jahr 1959 "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" und es wurde noch vor "Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm" und "Im Dutzend heiratsfähig" sein bekanntester und bester Film. Aus heutiger Sicht fällt auch sofort der liebenswürdige Charme auf, den der Film ausstrahlt.  Jules Vernes Abenteuer hatten ja schon immer einen fast kindlichen Sinn für Wunder und Verzauberung. Und diese Eigenschaft spült auch viele Logikeinwände fort - man verfolgt dieses utopische Abenteuer gespannt und freut sich an der Liebe zum Detail. Immerhin gab es Oscar-Nominierungen für das beste Szenenbild, für den besten Ton und für die besten visuellen Effekte. Die sind aus heutiger Sicht zwar altmodisch, vor allem die Saurier - aber irgendwie wirken sie dennoch, auch nach dem Eindruck echter Echsen aus dem Jurassic Park - immer noch gut.
Schottland um 1890: Der angesehene Edinburgher Geologie Professor Oliver Lindenbrook (James Mason) wird in den Adelsstand erhoben. Seine Studenten schmettern für ihn ein begeisterndes Gaudeamus igitur und von seinem Lieblingsstudenten Alec McEwen (Pat Boone) bekommt er sogar einen rätselhaften Lava-Brocken geschenkt. Während der attraktive Alec mit Jenny (Diane Baker), der Nichte des Professors heftig flirtet, untersucht der Professor das Gestein. Nach einer unbeabsichtigten Expolsion legt der Lava-Brocken ein Senkblei frei mit einer Nachricht des legendären Isländers Arne Saknussem. Der wollte vor ca. 300 Jahren den "Mittelpunkt der Erde" erreichen, doch ob er dort jemals ankam blieb ungewiss, denn Saknussem tauchte nie wieder auf.  Lindenbrook korrespondiert mit seinem Kollegen Goetaborg (Ivan Triesault), der jedoch finstere Pläne hat. Er will diesen Ort im Erdinnern alleine und als Erster erreichen. Noch ein dritter Mann hat großes Interesse, dass weder Lindenbrook noch Goetaborg vor ihm den Triumph der großen Entdeckung für sich beanspruchen. Es ist der rücksichtslose Graf Saknussem (Thayer David), der die Lorbeeren seines Vorfahren für sich alleine ernten will. Nach dem tragischen Mord an Goetaborg kann nun die Lindenbrook-Expedition starten. Doch sie findet nicht mehr nur im Duett von Professor und Schüler statt, sondern wird begleitet durch Carla Goetaborg (Arlene Dahl), der Witwe des Konkurrenten und dem großen blonden Bauernbursche Hans (Peter Ronson) mit seiner geliebten Ente Gertrud (Gertrud). Mit einem bösen Feind, der immer näher kommt, gehts nun abwärts in Bereiche, die nie zuvor ein Mensch (ausser natürlich Arne Saknussem) betreten hat...



und dort warten auf den Zuschauer und auf die sympathische Expeditionscrew allerhand von Abenteuern. Es gibt Salzwüsten, Riesenpilze, unendliche Schluchten, Überschwemmungen, Saurier aller Art - vor allem ein ganzes Rudel Dimetrodons, ein Meer und die versunkene Stadt Atlantis. Natürlich auch immer wieder ein Schlagabtausch im Dialog des schrulligen Wissenschaftlers und Junggesellen aus Überzeugung mit der hübschen Carla, die nicht den Eindruck einer trauernden Witwe macht. Immer wieder spielt sich Lindenbrook als Chef auf, während die jungen Männer die Rolle von Carlas Beschützer übernehmen. In ihren Einschätzungen hat meistens Carla recht, aber das ist dem Professor nicht so recht. Jedenfalls die besten Voraussetzungen für die Beiden, dass sie - falls sie dieses Himmelsfahrtskommando überleben sollten - sich am Ende auch bekommen. Pat Boone, der Teeniestar dieser Zeit, darf natürlich ein paar Schnulzen singen und es gibt einige drollige Einfälle mit der Ente Gertrud, die leider im Kochtopf des Bösewichts landet. Natürlich bekommt er dafür die Quittung und das kann nur Tod durch herabfallende Felsbrocken sein. Im herrlich absurden Finale werden die Reisenden dann auch von geschmolzener Lava wieder an die Erdoberfläche katapultiert. Sie kommen alle heil an, nur Teenieschwarm ohne Hose - und landet ausgerechnet in einem Nonnenkloster und macht die Ordensschwestern wuschig. Die Studiokulissen sind herrlich anzusehen, sie passen auch irgendwie in dieses dargestellte viktorianische Zeitalter.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Sonntag, 31. Juli 2016

Häxan (Hexen)

























Regie: Benjamin Christensen

Hexen und Dämonen...

Auch wenn in den Kindertagen des Films der deutsche Horrorfilm (Das Cabinett des Dr. Caligari, Nosferatu, Der Golem) das Maß aller Dinge war, darf man dennoch den 1922 in Schweden gedrehten "Häxan" des dänischen Filmemachers Benjamin Christensen nicht vergessen.
Christensen versuchte mit seinem halbdokumentarischen Film anhand des mittelalterlichen Hexenglaubens eine Analogie zu modernen psychischen Krankheiten wie Kleptomanie oder Hysterie zu ziehen. Die Handlung ist in sieben wichtige Abschnitte oder Kapitel unterteilt, die teilweise abstrus, aber immer sehr phantasievoll inszeniert wurden. Der Filmemacher ließ es sich nicht nehmen den Teufel selbst zu spielen und verfasste auch das originelle Drehbuch. Ein Erfolg wurde der Film bei seinem Kinostart nicht, denn dafür war er zu sehr Skandal. Der Essay-Film galt als heftiger Angriff auf die katholische Kirche, man war ihm vor, dass er die Geschichte verfälschen würde. Dabei wollte Christensen doch eher ein historischen Phänomen in seinen psychologischen Auswirkungen darstellen und dies ist ihm m.E. mehr als gut gelungen. Unter Einsatz von ganz verschiedenen Stilmitteln gelang ihm ein nach wie vor faszinierendes Stummfilm Kleinod. Die einzelnen Kapitel bestehen aus Bilddokumenten, Höllendiagrammen (inklusive Lehrerzeigestock), Großaufnahmen von mittelalterlichen Folterinstrumenten, Modellen und eindringlichen Spielszenen. Thematisch reicht das Material von der Hexerei und Teufelsanbetung des alten Persiens, über das Mittelalter bis hin Anfang der 20er Jahre. Das Werk schwankt genial und auch heute noch sehr kraftvoll, teils als ernsthafte akademische Studie über uralte Ängste und Aberglauben, teils als wollüstiger Horrorfilm, hin und her. Dabei sind es vor allem Bilder mit einer suggestiven Kraft, die dem Film eine unheimliche Atmosphäre geben.
Im ersten Abschnitt präsentiert der Regisseur einen Bildervortrag über Hexerein und Dämonologie aus Persien, Ägypten bis ins europäische Mittelalter. Das zweite Kapitel spielt im Jahr 1488 und Maria, die Hexe (Maren Pedersen) braut einen Liebestrank - aus einer Fülle unappetitlicher Details wie Kadaver, Leichenteile, Schlangen, Kröten und Insekten. Eine alte Jungfer will mit dem Trank einen dicken Mönch (Oscar Stribold) zur Lust animieren. Eine schöne Frau liegt neben ihme Mann im Bett. Am Fenster erscheint der Teufel (Christensen), sie streckt lüstern die Arme nach ihm aus und er drückt sie an sich.
Kapitel drei führt den Zuschauer ins mittelalterliche Deutschland. Die junge Anna (Astrid Holm) glaubt, dass ihr erkrankter Mann Jesper wäre verhext. Während sich Annas Mutter (Elisabeth Christensen) und Annas Schwester (Karen Winther) um den Kranken kümmern, gibt Anna einer alten Bettlerin (Emmy Schönfeld) etwas zu Essen. Als sie in die Augen der armen Frau blickt, meint sie, dass sie den bösen Blick Satans entdeckt hat und sie denunziert die Frau bei der heiligen Inquisition. Die alte gesteht in Kapitel Vier aus Angst und Folter Kinder vom Teufel empfangen zu haben und an einem Hexensabatt teilgenommen zu haben. Sie beschuldigt aber auch ihre Anklägerin und deren Familie. So entsteht die schreckliche Kettenreaktion.  Kapitel Fünf zeigt einen beteiligten Mönch (Elith Pio), bei dem die Tochter des Kranken Gelüste geweckt hat, lässt sich zur Rettung seines Seelenheiles auspeitschen. Der Tochter des Kranken droht nach einem erzwungenen Geständnis der Scheiterhaufen.
Im sechsten Abschnitt des Films werden die damals üblichen Folterwerkzeuge vorgeführt, wie zum Beispiel Daumenschrauben, Streckbänke sowie Gürtel mit Stacheln an der Innenseite. Ausserdem ein Ausbruch von kollektiver Hysterie in einem Nonnenkloster. Der letzte Abschnitt stellt eine Verbindung zur Moderne her. Das 20. Jahrhundert und Kleptomanie, Schlafwandeln oder Hysterie...





 Leider  gibt es das nordische Stummfilm-Meisterwerk nur in Originalsprache mit englischen Untertiteln. Dabei gibt es viel zu Lesen, denn "Häxan" ist nicht der typische Stummfilm, der nur alle 2 bis 3 Minuten einen Zwischentitel präsentiert. Insgesamt begleitet den Film eine große Faszniation. Dies liegt m.E. darin, dass der Film den zwiespältigen Blick auf Wissenschaft und Aberglaube bis zuletzt beibehält. In Deutschland wurde der Film gleich nach seiner Premiere 1924 verboten. Der Regisseur wusste sicherlich um die Wirkung seiner surrealen Bilder. Etwa wenn ein Zug von Dämonen aller Art, manche menschlich, manche in Tiergestalt, die Szene betritt. Oder wenn der Zuschauer Zeuge wird einer Geburt von zwei ungeheuerlichen Dämonen.




Bewertung: 9,5  von 10 Punkten.