Sonntag, 26. März 2017

Before I wake

























Regie: Mike Flanagan

Von Träumen und vom Zwang wach zu bleiben...

Der US-Amerikaner Mike Flanagan ist eine der neuen Regiehoffnungen für das Horrorfilmgenre. Er dreht nicht nur seine Filme sondern schreibt auch die Drehbücher und oft produziert er sie auch selbst. Mit "Absentia" machte er erstmalig auf sich aufmerksam, danach folgte sein bis dato bester Film "Oculus" mit dem hoffnungsvollen Jungstar Brendan Thwaites in einer der Hauptrollen. 2016 markiert ein sehr produktives Jahr, auf sein Konto gehen die Filme "Hush", "Ouija: Origin of Evil" und "Before I wake". Letzerer versteht sich als originelle und teilweise sogar gewagte Mischung aus Horror und Fantasy. Ursprünglich sollte der Film "Somnia" heißen, also laut der griechischen Mythologie die Verkörperung von Träumen, der Gegensatz dazu die Schlaflosigkeit "Insomnia" und beide Zustände sind Thema seines Genrebeitrags.
Der Film greift mit einer Szene vor, die erst später eine Bedeutung bekommt. Ein Mann steht mit einer Pistole vor einem schlafenden Kind. Zitternd und schwitzend versucht der Mann auch tatsächlich abzudrücken, doch mi letzten Moment besinnt er sich doch anders. Das Gewehrfeuer hat aber den Jungen inzwischen wach gemacht, schaut in die Augen des Mannes und der bricht in Tränen aus.
Die nächste Szene zeigt das Ehepaar Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane), die mit einer Beamtin (Annabeth Gish) über eine Adoption sprechen. Der kleine Sohn Sean (Antonio Evan Romero) ist vor einiger Zeit im Bad ertrunken und die Eltern versuchen den Verlust immer noch zu verarbeiten. Gemeinsam besuchten sie eine Selbsthilfegruppe, inzwischen geht aber nur noch Jessie regelmässig dorthin. Dann steht die Entscheidung den achtjährigen Cody Morgan (Jacob Tremblay) bei sich aufzunehmen und das Kind zu adoptieren. Der kleine Junge hat auch schon viel Leid hinter sich, die Mutter ist verstorben und die beiden vorherigen Adoptionsversuche scheiterten nach einiger Zeit. Mit Jessie und Mark scheint es aber gut zu funktionieren, der Junge fasst schnell Vertrauen.  Sie machen aber eines Abends eine seltsame Entdeckung. In ihrer Wohnung erscheint ein neonblauer Schmetterling und bald erscheint ein ganzer Schwarm Schmetterlinge. So richtig unheimlich wird es, als auf einmal der verstorbene Sohn vor ihnen steht und es ist keine Einbildung, die Eltern können ihr Kind berühren und umarmen. Alles wirkt real.   
Wie sich bald herausstellt, ist Cody dafür verantwortlich. Wenn er träumt, passieren diese merkwürdigen Dinge. Wacht er auf, ist der Schmetterling verschwunden, samt den Traumfiguren. Doch auch Cody selbst erlebt die Träume intensivund er erlebt diese aber nicht positiv, denn je mehr er träumt, desto eher entwickelt sich dabei ein Monster. Er nennt ihn den "Kreuzmann" und sagt, dass der auch seine Mami gefressen hätte und seither ständig bei ihm ist. Bald werden auch Jessie und Marc mit diesem Bösewicht aller Alpträume konfrontiert, der sich scheinbar aus dem Schwarm der Schmetterlinge zusammensetzt...


Zum Glück verzichtet Flanagan auf zuviel Budenzauber, sondern zieht seine Geschichte durch und kommt ohne gravierende Logiklöcher zum Schlußpunkt seiner Geschichte. Die hat vielleicht ein gutes Ende, aber wenn man genau aufpasst, dann gibt es zwei Widerhaken. Wer Plots vermisst, der wird vielleicht enttäuscht sein. Aber ich bin froh, dass der Film bei seinem Thema "Traum" bleibt und mit dem Jacob Trembley, der bereits in "Raum" eine oscarreife Vorstellung ablieferte, wirkt alles sehr glaubwürdig. Ein hellsichtiges Kind in einer heftigen Misere und gefangen in einem traumatischen Zustand, der gewisse Dynamiken freisetzt, die dem Zuschauer Raum geben die Story weiterzuspinnen und gewisse Kleinigkeiten zu achten, die der Film während der Laufzeit gar nicht preisgibt. Für mich ein guter und gelungener Horrorfilm.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 19. März 2017

Dune - der Wüstenplanet

























Regie: David Lynch

Verschwörungen im Weltraum...

David Lynch gilt als Meister filmischer Albträume - seine Werke sind surreal, verstörend, surrealistisch und wenden sich an das Unbewusste im Zuschauer. Dieser typische Stil setzte sich vor allem ab "Blue Velvet" immer mehr durch. Seine vorherigen Filme waren noch nicht so einheitlich. Expermimentell war "Eraserhead" und der Nachfolgefilme "Der Elefantenmensch" etablierte ihn auch im Mainstream-Kino. Durch den Ausstieg von Ridley Scott kam David Lynch schließlich zu seinem nächsten Projekt. Dino de Laurentis kontaktierte ihn für die Adaption des Weltraum-Romans "Dune" von Frank Herbert. Lynch verfasste mehrere Drehbücher für dieses ambitionierte Projekt, aber erst seine 7. Drehbuchversion wurde dann auch akzeptiiert. Die Kosten waren sehr hoch und beliefen sich auf 52 Millionen Dollar. Es sollte ein Monumentalfilm mit langer Laufzeit werden, doch die Produzenten bestimmten, dass das Material auf 2 Stunden zusammengeschnitten werden musste. So gab Lynch auch einmal zu, dass er "Dune" nicht im Griff hatte. Er machte den Film für die Produzenten, aber nicht für sich selbst. Es war unvermeidbar, dass "Dune" bei der Kritik ein echter Mißerfolg wurde. Für den Zuschauer zu sehen ist das vielleicht, dass der Film je mehr er sich zu seinem Höhepunkt bewegt, desto mehr verzettelt sich auch die Handlung. Dabei ist besonders die erste Stunde dieser aussergewöhnlichen Science Fiction Oper atmosphärisch brillant gestaltet. Dies ist schon in der ersten sehr bekannten Szene des Films zu sehen. Da hat sich Lynch entschieden die Einleitung von Prinzessin Irulan (Virginia Madsen), der Tochter des Imperators Shaddam IV. (Jose Ferrer) erzählen zu lassen. Lynch setzt da auf die Mystik der Geschichte, der Zuschauer hört die inneren Monologe der Protagonisten und sieht wie diese Figuren von Träumen und Visionen geplagt werden. Mit dem jungen Paul Atrreides (Kyle McLachlan) kommt eine Art Messiasfigur ins Spiel. Es ist das Jahr 10191 - die Menschheit hat inzwischen das Weltall besiedelt. Vier Planeten stehen im Verdacht an einer Verschwörung beteiligt zu sein: Arrakis oder "Dune - der Wüstenplanet" ist der einzige Planet des Universums auf dem das "Spice" existiert. Das "Spice" ist eine bewusstseinserweiternde Droge, mit der es möglich ist, durch pure Gedankenkraft sofort in jeden Teil des Universums zu reisen. Das Spice wird mit riesigen Erntemaschinen abgebaut, doch es ist ein gefährliches Unterfangen. Es gibt riesige Sandwürmer in dieser Wüste. Aber das Spice muss fließen...die Navigatoren der Raumfahrergilde brauchen sie für diese interstellare Raumfahrt mit Überlichtgeschwindigkeit. Wer das Spice hat, der regiert das Universum - Bewohner dieses begehrten Planeten sind die Fremen. Zweiter Planet im Verschwörungsverdacht ist der Giedi Prime, auf dem der böse Herrscher Vladimir Harkonnen (Kenneth McMillan) mit seinen fiesen Verwandten Rabban (Paul L. Smith) und Feyd (Sting) herrscht. Der dritte Planet ist Kaitan, Sitz des Imperators - er hat mit Harkonnen eine Allianz gegen den beliebten Herzog Leto Atreides (Jürgen Prochnow) geschmiedet, dem Herrscher des Planeten Caladan. Wie die Vertraute des Imperators, die ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam (Sian Philipps) gehört auch Letos Konkubine Jessica (Francesca Annis) dem Orden der Bene Gesserit Schwestern an. Gemeinsam hat das Paar einen Sohn namens Paul geboren, obwohl es ihr streng verboten war - sie hätte nur Töchter gebären dürfen. Dieser Paul könnte tatsächlich der kommende "Kwisatz haderach" sein, vom dem die Prophezeiungen erzählen. Harkonnen gelingt es, Letos Leibarzt Dr. Wellington Yueh (Dean Stockwell) zum Verräter zu machen. Letos Tod ist damit besiegelt. Doch noch mehr wird auch Paul nach dem Leben getrachtet..




Geplant waren noch weitere Teile des ausufernden Romans, aber durch den finanziellen Mißerfolg kam es leider nicht mehr dazu. So ist "Dune" in seiner 80er Jahre genauso unfertig und gescheitert wie der erste Versuch Tolkiens "Herr der Ringe" zu verfilmen. Die Zeichentrickversion von Ralph Bakshi kam als unvollendete Geschichte in die Kinos. Kameramann Freddie Francis hat natürlich tolle Bilder dazu geschaffen, dies verleiht der etwas wirren Weltraumoper einiges an Faszination. Auch die Musik von Toto und Brian Eno ist opulent und unterstützt manch eine grandiose Szene. Besonders geheimnisvoll wirken die Mächte der Bene Gesserit Hexen. Viele bekannte Schauspieler wie Max von Sydow,  Everett McGill, Brad Dourif, Patrick Stewart, Linda Hunt, Silvana Mangano oder Sean Young sind in kleinen Nebenrollen zu sehen. Interessant auch Bezüge zur heutigen Welt. Spice als Treibstoff für das gesamte Transportsystem der Zukunft erinnert immer mal wieder an unser Erdöd aus den Wüstengebieten des Nahen Ostens.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

A Chinese Ghost Story 2


Regie: Ching Siu Tung

Als Dämonenkrieger unterwegs...

Der rasant inszenierte Wuxia-Streifen "A Chinese Ghost Story" von Ching Siu-Tung aus dem Jahr 1987 wurde überraschend auch ein großer internationaler Erfolg und bereits drei Jahre später wurde eine Fortsetzung dieser Mischung aus Geistergeschichte, Komödie, Fantasy und buddhistischer bzw. taoistischer Elemente gedreht. Wieder war Tsui Hark Produzent, der auf Bewährtes setzte und Ching Siu-Tung die Regie übertrug und auch den populären Schauspieler Leslie Cheung als Hauptdarsteller verpflichtete. Somit beginnt Teil 2 dort, wo Teil 1 aufgehört hat.
Hauptfigur der Geschichte ist ja der junge und naive Schuldeneintreiber Ling Choi Sing (Leslie Cheung), der durch eine Übernachtung im Orchideen Tempel sein ganzes Leben veränderte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Marschall Yin Chek Hsia (Wu Ma) muss er den Kampf gegen den mächtigen Baumgeist aufnehmen und lernt dabei die schöne Nip Siu Sin (Joey Wong) kennen, in die er sich verliebt. Doch die Liebe hat einen großen Haken: Das Mädchen ist ein Geist, hat aber die Chance wiedergeboren zu werden. Ihre Urne muss aber begraben werden und damit endet auch die Geschichte in Teil Eins. Der Schuldeneintreiber und sein neuer Freund, der Mönch verabschieden sich voneinander mit dem Versprechen, wenn einer in Not ist, dann kommt der andere und hilft. Und Ling Choi Sin gerät natürlich gleich in der ersten Szene in arge Bedrängnis, als er in einem Gasthaus essen und übernachten möchte. Das Wirtshaus gehört Kannibalen, die Gäste für die Speisekarte abschlachten. Plötzlich wird er von den Menschenfressern und auch von den Gesetzeshütern gejagt mit dem Ergebnis, dass er ins Gefängnis kommt. Dort teilt er seine kleine Zelle mit dem Gelehrten Elder Chu (Ku Feng), der ihn am Tag der geplanten Hinrichtung zur Flucht verhilft. Kindlich-naiv wie Ling Choi Sin nunmal ist, entwendet er einem taoistischen Mönch (Jacky Cheung) sein Pferd und in einer verlassenen Villa tauchen natürlich wieder die Geister auf. Auch Rebellen sind vor Ort und mit den beiden Schwestern Windy (Joey Wang) und Moon (Michelle Reis) hat der junge Mann gleich zwei Optionen für die große Liebe. Windy sieht sogar aus wie Siu Sin, die immer noch in der Urne ist. Die beiden Schwestern wollen ihrem Vater helfen, der für ein Verbrechen beschuldigt wird, dass er nicht beging. Der einflussreiche Mann fiel einem fiesen Komplott zum Opfer. Doch zuerst müssen die Protagonisten mit einem Dämon fertig werden und dann taucht auch noch ein mächtiger Tao-Priester (Lau Shun) mit seinem Gefolge auf...



Und der entpuppt sich als der stärkste Dämon überhaupt mit phänomenalen Fähigkeiten. Er hat auch die besten Szenen des Films und gesamthaft ist die Fortsetzung auch gut gelungen, denn die Geschichte macht Spass, auch wenn sie lediglich den Inhalt von Teil 1 geschickt variiert und im Grunde nichts Neues bietet. Aber man merkt, dass die Macher sich große Mühe gaben und die Begeisterung kommt auch beim Publikum an. Ein vergnüglicher Wuxiabeitrag und Leslie Cheung zeigt einmal mehr seine Vielseitigkeit. Leider ist dieser beliebte Schauspieler aufgrund von Depressionen im Jahr 2003 freiwillig aus dem leben geschieden - er bleibt unvergessen mit Filmen wie "Lebewohl meine Konkubine", "Ashes of Time" oder "Happy Together". In China ist er nach wie vor einer der beliebtesten Schauspieler überhaupt.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Sonntag, 5. März 2017

Oldboy

























Regie: Park Chan Wook

Rache und Erlösung...

Mit seinem Grenz-Thriller "Joint Security Area" gelang Park Chan-wook in seiner Heimat Südkorea der Durchbruch - der Film wurde ein erfolgreicher Blockbuster. Danach realisierte er den Rachethriller "Sympathy for Mr. Vengeance" - ein hervorragender Film über das Thema Rache, der zwar gute Kritiken bekam, aber an der Kasse leider floppte. Erst "Oldboy", der zweite Film seiner Rachetrilogie, brachte den langersehnten internationalen Durchbruch. Zu verdanken hat es dieser Film sicherlich auch wegen seiner fiesen und hinterlistigen Story, die von Park Chan Wook radikal und verstörend erzählt wird.
"Lache...und die ganze Welt lacht mit Dir. Weine...und du weinst allein" dies ist einer der Parolen des Films, der auf einer japansichen Manga Serie basiert und für den Regisseur einen eher positiven Aspekt der Rache anbietet - dann wenn Menschen in der Rache eine Katharsis spüren lässt. Allerdings wird dieses Gericht, dass man im Film sehr gerne eiskalt serviert, von Park Chan-Wook mit der Wucht eines Holzhammers präsentiert. Erlösung ja...aber zu welchem Preis.
Am Ende erst wird der Zuschauer mit dem Bild des jungen Lee-Woo Jin (Yoo Yeon-Seok) im Bilde sein, was aus einer unbedachten, aber böswilligen Rufmord- Aussage hervorgerufen wurde...eine Katastrophe, von der sich ein Beteiligter nie mehr erholen sollte.
Die Geschichte erzählt uns von Oh Dae-Su (Choi Min-sik), der am Abend des Geburtstages seiner kleinen Tochter sturzbetrunken von einem Freund bei der Polizei abgeholt werden muss. Der Freund versucht an einer Telefonzelle die Frau des Trinkers zu erreichen, als er sich umdreht und Oh Dae-Su den Hörer geben will, ist dieser verschwunden. In einer hotelzimmerähnlichen Zelle mit großgemusterter Tapete und einem TV-Gerät wird der Entführte wieder aufwachen. Er weiß nicht wer ihn entführt hat, noch weiß er warum. Das Essen wird ihm in einer kleinen Öffnung, durch die nur der Kopf passt, gebracht - er hat keinerlei Kontakt zur Außenwelt und zum Entführer. In diesem Zustand des zunehmenden Realitätsverlustes wächst bei dem Gefangenen der gierige Wunsch nach Rache an dem unbekannten Peiniger. Es wird 15 Jahre dauern, bis er plötzlich und ohne Vorwarnung auf dem Dach eines Hochhauses in Seoul wachwird. Er liegt in einem Koffer, den er nur zu öffnen braucht und sieht nach all den Jahren endlich das Tageslicht wieder. Er weiß aber auch nicht, warum er jetzt nach all den Jahren wieder frei gelassen wurde. In der Zeit seiner Gefangenschaft wurde er oftmals betäubt. Dies geschah auch zum Zeitpunkt der Freilassung, Dae Su hat keine Erinnerung daran. Er sucht eine Sushi Bar auf, wo er Tintenfisch bestellt und nach dem Essen zusammenbricht. Die junge Bedienung Mi-do (Kang Hye-jeong) nimmt ihn mit und lässt den sonderbaren Mann bei sich übernachten. Da er immer nur Teigtaschen zu Essen bekam, ist dies sein erster Anhaltspunkt herauszubekommen welches Restaurant oder welcher Lieferdienst genau diese Teigtaschen gemacht haben. Er würde den Geschmack aus Tausenden herauskennen. Tatsächlich erkennt er die Teigtaschen wieder - sie werden in einem eher abgelegenen Restaurant gemacht. So gelangt er wieder zu seinem Gefängnis. Dort kann er den Chefaufseher überwältigen. Er greift zu harten Foltermethoden um den Namen seines Entführers herauszubekommen, indem er dem Mann die Zähne einzeln herausreißt.
Der Mann gibt den Namen jedoch nicht preis. Stattdessen spricht ihn am anderen Tag ein gewisser Lee Woo-jin (Yoo Ji-tae) an, der ihm gesteht für seine Gefangenschaft verantwortlich zu sein. Er will aber, dass Oh Dae Su den Grund dafür alleine herausfinden muss. Er gibt ihm 5 Tage Zeit, andernfalls wird Mi-do, für die Dae-su sehr viel empfindet, sterben. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, aber auch eine Reise in die Vergangenheit...




Am Ende erst lösen sich die verstörenden Bilder auf, der Plot ist aber extrem teuflisch und perfide. Dabei arbeitete Park Chan Wook mit extremen Perspektiven und schnellen Schnitten, auch Rückblenden und Traumsequenzen vermischen sich in die Geschichte. Dadurch erhält der Film nicht nur eine surreale Note - es entsteht auch viel Horror je näher man an die Wahrheit kommt. Und die sagt aus, dass die Erlösung das Ziel dieses Racheplans war. Drei Jahre später drehte Park Chan wook dann Teil 3 seiner Rachefilme. "Lady Vengeance" war zwar genauso gewalttätig wie der Vorgänger, hatte aber auch poetische Anteile.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Blair Witch

























Regie: Adam Wingard

Wandern durch die Wälder von Burkittsville...

Seit seinen beiden überzeugenden Horrorfilmen "You´re next" und "The Guest" ist Adam Wingard eine Hoffnungsträger des Genres. Leider kann er aber mit seinem 2016 gedrehten "Blair Witch", eine Fortsetzung des legendären pseudodokumentarischen Found Footage Film "Blair Witch Project" nicht ganz überzeugen. Zwar ist er viel näher am Original wie der sonderbare "Blair Witch 2" von Joe Berlinger aus dem Jahr 2000, der sogar mit einer Goldenen Himbeere ausgezeichnet wurde - aber Adam Wingard bringt wenig Neues und die Neuerungen, die er dann präsentiert, führen auch ein bisschen wie eine Entzauberung des Geheimnisses dieser Wälder und des Hauses. Weniger ist manchmal viel mehr - das haben die Daniel Myrick und Eduard Sanchez, die Regisseure und Macher des Original, weitaus besser verstanden.
"Blair Witch" führt die Geschichte des 1. Teils fort - allerdings sind schon einige Jahre vergangen seit die drei Studenten Heather Donahue, Joshua Leonard und Michael C. Williams in den Wäldern von Burkittsville in Maryland verschwanden. Ein Jahr später wurden dort aber ihre Filmaufnahmen gefunden. Dies war der Ausgangspunkt des Originals und inzwischen ist Heathers kleiner Bruder James (James Allen McCune) ein erwachsener junger Mann. Auch er studiert, aber damals als seine große Schwester verschwand war er erst 4 Jahre alt. Doch er hat die Hoffnung nie aufgegeben, dass sie noch leben könnte. Im Internet ist er auf eine seltsame Aufnahme gestoßen, auf der er glaubt seine Schwester in diesem Waldhaus gesehen zu haben. Zusammen mit seinen Freunden Peter Jones (Brandon Scott), Ashley Bennett (Corbin Reid) und Lisa Arlington (Callie Hernandez) geht James daraufhin auf die Suche nach seiner vermissten Schwester. Wieder ist die Kamera mit dabei, denn es soll auch eine Doku über die Suche gedreht werden, diesmal sind sie mit GPS ausgerüstet und auch eine sympathische Drohne gehört zu der Reisetruppe. Die vergrößert sich in Burkittsville noch durch den etwas undurchsichtigen Lane (Wes Robinson) und dessen Freundin Talia (Valorie Curry), denn die beiden haben diese neuen Videoaufnahmen gefunden und geben an, dass sie sich im Wald gut auskennen. Jedenfalls steht auch diese Waldtour unter keinem guten Stern. In der Nacht hört man Geräusche und am anderen Morgen hängen wieder diese merkwürdigen Gebilde aus Ästen und Holz in den Bäumen. Zweifelsohne war jemand nachts im Lager, während die sechs Teenager in ihren Schlafsäcken lagen...


Adam Wingard hat in weiten Teilen fast ein Remake des Originals gemacht, lediglich die Anzahl der Wanderer hat sich verdoppelt und die Ausrüstung ist auf den heutigen Stand gebracht worden. Ansonsten werden die Protagonisten mit den gleichen Phänomenen konfrontiert, die bereits das Trio im Jahr 1999 in Angst versetzte. Der Wald scheint ein Interesse zu haben seine Besucher nicht mehr nach draußen führen zu wollen - man verirrt sich darin wie in einem endlosen Labyrinth. Irgendwann stehen der Final Boy und Girl tatsächlich vor der Hütte und vielleicht gibts dort Erkenntnisse wo wer abgeblieben ist. Und auch Adam Wingard blieb die zweifelhafte Ehre nicht erspart, dass er für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Das ist zwar zu schlecht bewertet, denn von der Machart her ist dieses Prequel handwerklich solide und professionell gemacht. Auch wenn manche Kamerafahrt durch den Wald eher hektisch präsentiert wird. Meine Hauptkritik gilt der Showdown Szene im Haus. Dort wird für meine Begriffe zuviel gezeigt und die Blair Witch irgendwie entmystifiziert. Für die macher lohnte sich der Film doch, denn er spielte über 30 Millionen Dollar ein. Bei einem Budget von 5 Millionen ein profitables Genrewerk.



Bewertung: 5,5 von 10 Punkten.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Don´t breathe
















Regie: Fede Alvarez

Das falsche Haus....

Die Grundidee von "Don´t breathe" ist nicht neu: Ein Blinder wird bedroht von kriminellen Gegenspielern. Zwei Klassiker fallen mir auf Anhieb ein: "23 Schritte zum Abgrund" von Henry Hathaway und "Warte bis es dunkel ist" von Bond Regisseur Terence Young. Allerdings bietet Regisseur Fede Alvarez (hat auch das Remake von "Evil Dead" gemacht) aus Uruguay eine interessante Variante an. Denn der blinde Mann ist wehrhaft und sehr schnell nimmt "Don´t breathe" diese überraschende Wendung, dass das Opfer der Täter der Einbrecher sein könnte.
Klingt super und auch die Kritiken zu dem horrorhaften Thriller sind überwiegend positiv. Dennoch finde ich das Ergebnis - gemessen an den sehr hohen Erwartungen, die ich hatte - eher etwas enttäuschend. Trotz einer ganz guten Spannung sind die Logiklöcher, die der Film im Laufe der Handlung offenbart, kaum zu übersehen und sie schmälern das Vergnügen dann doch ganz beträchtlich. Leider...mehrere Male hab ich mich gefragt "wie geht das ?" und komme zum Schluß, dass diese wenig realistischen Wendungen den Drehbuchautoren völlig egal waren. Alvarez war selbst daran beteiligt und hat mit Rodo Sayagues dieses Script verfasst. Natürlich kommen dann auch wieder seltsame Entscheidungen der Gejagten dazu, die mich auch immer wieder im Horrorfilmgenre verärgern. "Wie kann man nur so dumm sein ?" fragt man sich - dazu kommt dann die fast übermenschliche Fähigkeit des Jägers. Dabei ist der doch blind, sieht aber besser als alle anderen.
Die Geschichte spielt in Detroit - die Großstadt wirkt wie eine Geisterstadt. Denn dort in der Straße, wo der blinde Norman Nordstrom (Stephen Lang) mit seinem Wachhund lebt, sind alle Nachbarhäuser unbewohnt. Amerika aktuell - die Stadt ist vom Verfall geprägt, es herrscht große Arbeitslosigkeit, große Armut und große Kriminalität. Nordstrom wird das wissen, hat aber wahrscheinlich auch kein Vertrauen mehr in die US-Banken und bunkert seine Bargeld natürlich zuhause.
Daher wird das Haus zum lukrativen Objekt für die drei Kleinkriminellen Rocky (Jane Levy), Alex (Dylan Minette) und Money (Daniel Zovatto). Rocky ist mit Money liiert, aber auch Alex schwärmt von dem blonden Girl. Vor allem Rocky will Detroit verlassen. Ihr Geld verdienen die drei, indem sie in Häuser einbrechen und das Diebesgut an einen Hehler verkaufen. Alex hat da durch seinen Vater, der eine Sicherheitsfirma hat, gute Karten die Alarmanlagen der Häuser ausser Kraft zu setzen. Vom ihrem Auftragsgeber bekommen sie dann den Tipp über dieses Haus, in dem der Besitzer eine hohe Geldsumme zu Hause haben könnte. Sie beobachten die Gegend und stellen fest, dass dieser Mann blind ist und auf die Hilfe seines Hundes angewiesen ist. Das wird ein leichtes Spiel...doch es kommt anders als gedacht...


Der Film kommt rasch zur Sache, die Einleitung ist knackig kurz und schon ist man auch im Haus, wo alles reibungslos und planmäßig beginnt. Doch dann plötzlich taucht der blinde Mann auf, der sich entschlossen hat, den Kampf gegen die Eindringlinge in seinem Haus aufzunehmen. Soweit so gut...und bis dahin ist alles sehr spannend und plausibel. Das potentielle Opfer ist Kriegsveteran und daher auch wehrhaft.
Suspence wäre gegeben. Denn irgendwann gilt die Devise "Ganz leise sein - oder tot". Was als routinierte Diebestour beginnt, mündet in einen eskalierenden Albtraum. Die drei Diebe haben sich das falsche Haus für ihren Einbruch ausgesucht...das wird dann schnell klar. Die Teens geraten in die Bredouille ihres Lebens. Gut gelungen sind die Szenenbilder mit einem verwinkelten Eigenheim und gejagt wird zwischen Dachboden und Keller. Es gibt dann einige Überraschungen und halt leider sehr viel Ungereimtheiten, die den Reiz des Home Invasion Thrillers zunehmend reduzieren. Aufgrund der sehr guten Bewertungen für "Don´t breathe" ging ich davon aus, dass die Handlung des Thrillers dann doch besser durchdacht wäre. Was bleibt ist eine interessante Variante zum Thrillerthema "Alles spielt auf engem Raum", leider wird die gute Grundidee durch unnötige dumme Drehbucheinfälle daran gehindert eine echte Genreperle zu sein. Die Darsteller sind aber durchweg glaubwürdig.




Bewertung: 6 von 10 Punkten.