Dienstag, 16. Mai 2017

Passengers

























Regie: Morten Tyldum

Adam und Eva im Raumschiff....

Durch seinen Thriller "Headhunters" wurde der Norweger Morten Tyldum einem internationalen Publikum bekannt. Deshalb bekam er auch das Regieangebot für das britisch-amerikanischen Biopic "The Imitation Game" - der Film befasst sich mit dem britischen Logiker, Mathematiker und Informatiker Alan Turing und erhielt insgesamt 8 Oscar-Nomierungen. Sein aktueller Film "Passengers" spielt im Weltraum und kam leider nur auf 2 Nominierungen bei der Oscarverleihung 2017, die Academy hielt vor allem das Szenenbild von Guy Hendrix Dyas und Gene Serdena sowie die Filmmusik von Thomas Newman für preiswürdig. Gewonnen hat der Film die Trophäen aber nicht.
Immerhin war das Science-Fiction Romantic-Drama an der Kasse erfolgreich - 303 Millionen Dollar ist zwar weniger wie "Gravity", "Interstellar" oder "Der Marsianer",  die neuen Blockbuster des Genres, aber besser wie der sehr geglückte "Arrival" von Denis Villeneue, der nur auf ein weltweites Einspielergebnis von 200 Millionen Dollar kam.
Man könnte den Film als eine Art "Adam und Eva" im Weltraum beschreiben, doch er zeigt auch die Horrorvorstellung, wenn jemand alleine im Weltraum ist und erinnert daher auch an das einsame Jahr des Marsianers auf unserem roten Nachbarplanet.
Lediglich spielt sich diese Einsamkeit nicht auf einem Planeten ab, sondern in den beinahe auch schon unendliichen Weiten eines Raumschiffs, dass eigentlich 120 Jahre braucht, um seinen neuen Bestimmungsort - ein fremder Planet, wo sich die Menschen fortplanzen sollen, um eine Kolonie zu gründen - zu erreichen. Zu diesem Zweck sind ca. 200 Besatzungsmitglieder und ca. 5.000 Passagiere in einen 120jährigen Tiefschlaf versetzt worden. 4 Wochen vor der Landung werden sie dann sanft von einem Hologramm namens Celeste (Aurora Perrineau) geweckt und auf die Landung und aufs Leben auf dem neuen Planeten vorbereitet. Doch es kommt zu einem Crash mit Kometen, es hat zur Folge, dass das System einen Fehler produziert. Wir schreiben das Jahr 2350 und der Passagier Jim Preston (Chris Pratt), ein Maschinenbauingenieur aus Denver wird geweckt. Es kommt ihm seltsam vor, dass die anderen Passagiere in ihren Kapseln weiterschlafen und bald kommt er einem katastrophalen Fehler auf die Spur. Er wurde 90 Jahre zu früh geweckt und es ist unmöglich sich wieder in den Tiefschlaf zu versetzen. Sein SOS zur Erde braucht aber 19 Jahre und so kann er in mehr als 50 Jahren auf eine Antwort hoffen. Eine auswegslose Situation aus der es kein Entrinnen gibt...lediglich der Roboter und Barkeeper Arthur (Michael Sheen) ist die einzige Möglichkeit für eine Kommunikation. Doch das Gespräch Mensch und Roboter hat Schwachstellen und irgendwann im Lauf der Zeit wächst dem jungen Mann nicht nur ein extremer Bart, er schaut auch in die Kapseln und entwickelt eine gewisse Sehnsucht auf die tiefschlafende Schriftstellerin Aurora Lane (Jennifer Lawrence). Nach langem Hin und Her kann er nicht anders, er weckt die Frau auf und sie glaubt, dass auch sie wegen einem Fehler im System aufgeweckt wurde. Bald entsteht eine Beziehung mit allem drum und dran. Doch die größeren Dramen kommen erst noch...
 



Dabei erinnert Barkeeper Arthur an den fiesen Barkeeper in Stanley Kubricks "Shining" - es ist beinahe ein ähnliches Szenenbild und auch die Arbeitskluft ist von Kubricks Barkeeper Lloyd inspiriert. Aber Tyldums Barkeeper ist herzensgut und ein Seelentröster ersten Ranges für den einsamen Jim und später auch für die einsame Aurore. Dabei stellt der Film dann auch die Frage wie wichtig die Liebe im Leben ist und ob sie höher anzusiedeln ist wie eine hoffnungsvolle Zukunft. Die Kritik war nicht so begeistert von dem Film. Doch der hat m.E. auf alle Fälle einiges zu bieten und bleibt trotz des beengten Raumes und der auswegslosen Situation immer spannend und man möchte wissen, wie sich die Menschen, die dieses Drama durchleben, weiter damit umgehen. Bei den beiden Hauptdarstellern stimmt die Chemie, irgendwann ist dann auch Laurence Fishburne als weiterer versehentlich Aufgeweckter dabei und bringt der Handlung weitere entscheidende Impulse. Der Film hat auch einige CGI Effekte, die sind aber allesamt sehr gut geglückt. Das Ende ist vielleicht ein bisschen zu aufgesetzt, aber insgesamt ist Morten Tyldum ein guter Genrevertreter geglückt, der sicherlich auch Klassikerpotential hat.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Rogue One

























Regie: Gareth Edwards

Der Todesstern....

Der britische Regisseur Gareth Edwards wurde bekannt durch den besonderen Monsterfilm "Monsters", für den er auch das Drehbuch schrieb. Der Film bekam gute Kritiken und bereits sein nächstes Projekt "Godzilla" wurde mit einem weltweiten Kasseneinspielergebnis von 529 Millionen Dollar ein erfolgreicher Blockbuster. Sein dritter Streich "Rogue One - A Star Wars Story" konnte den Umsatz in den Kinos sogar verdoppelt. Bis heute spielte der 1. Film dieser Star Wars Anthology Reihe mehr als 1,05 Milliarden Dollar weltweit ein. Es ist eine Art Vorgeschichte zu dem ersten Star Wars Film aus dem Jahr 1977, der immer noch unter dem Titel "Krieg der Sterne" bekannt ist, aber inzwischen eine Namensänderung "Star Wars Episode IV - Eine neue Hoffnung" trägt.
Ein ultimativer Klassiker des Science Fiction Genres wurde dieser George Lucas Film und lange Zeit war er auch erfolgreichster Film aller Zeiten. Mark Hamill als Luke Skywalker und Harrison Ford als Han Solo wurden zu Legenden. Ebenso auch die Droiden R2-D2 und C-3PO, sowie Obiwan Kenobi, Chewbaka und Prinzessin Leia, gespielt von der unvergessenen Carrie Fisher.
Auf der anderen bösen Seite der Macht stand natürlich Darth Vader und der Fiesling Wilhuff Tarkin, der von Peter Cushing gespielt wurde.
Diese Rückschau auf den Klassiker ist alleine deshalb schon notwendig, weil das Highlight von "Rogue One" die CGI-Animation mittels Motion Capture darstellt. Die Darsteller von Tarkin (Guy Henry) und von Prinzessin Leia (Ingvild Deila) sehen daher fast zum Verwechseln mit den beiden früheren Schauspielern aus, die ja beide bereits verstorben sind.
Viele Kritiker sahen einen großen stilistischen Unterschied zwischen den früheren Star Wars Filmen und dem Film von Edwards, weil angeblich das Hauptmerk auf "War" liegt und das Thema "Macht" nur wenig vorkommt. Wobei ich persönlich nur wenig Unterschiede zur Star Wars Reihe wahrnehme. Leider haben die Macher wieder ganz viel Wert auf ganz viele Effekte gelegt, so dass die Geschichte überhaupt nichts Neues bietet. Einmal mehr hat das böse Imperium vor, eine wirksame Waffe gegen die vielen Rebellenfeinde zu finden. Ein Todesstern soll gebaut werden und dazu braucht der imperiale Officer Krennic (Ben Mendelsohn) die Fertigkeit des Waffenbauers Galen Erso (Mads Mikkelsen). Der hat sich auf einem abgelegenen Planeten mit Frau und Töchterchen versteckt. Doch das Imperium hat bei der Suche nach ihm Erfolg. Er wird gezwungen die Waffe zu entwickeln, die Frau stirbt bei der Konfrontation und die kleine Tochter Jyn muss fliehen. Die wird von Rebellenführer Saw Gerrera (Forrest Whittaker) gefunden und 15 Jahre spöter wird sie als junge Frau (Felicity Jones) wieder in den Krieg der Sterne verwickelt. Mit dabei der Rebellen-Offizier Cassian Andor (Diego Luna) und der umprogrammierte imperiale Droide K-2S0 (Alan Tudyk) und am Ende steht die Wiederbegegnung mit dem Vater, der vielleicht der dunklen Seite der Macht erlegen ist...



zusätzlich kommt mit der Figur des Rebellen Chirrut Imwe, gespielt von Donnie Yen, noch eine Martial Arts Figur hinzu. Wer die "Star Wars" filme mag, der wird auch hier den Daumen nach oben zeigen. Im Vergleich mit dem aktuellen Star Wars Film "Das Erwachen der Macht" ist "Rogue One" noch mehr mit CGI-Effekten vollgestopft, die Schlachten im Weltraum nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Allerdings muss man bei aller Kritik anerkennen: Diese Weltraumschlachten sind liebevoll gestaltet und erinnern optisch tatsächlich an den ersten Star Wars Film. Nach Daisy Ridley in "Erwachen der Macht" ist schon wieder eine junge starke Frau Heldin der Weltraum-Oper. Felicity Jones (Die Entdeckung der Unendlichkeit) bleibt aber etwas blass. Wohl deshalb, weil das Drehbuch ihr nur wenig Konturen verleiht. So bleibt eine weibliche Art Luke Skywalker, die durch die Vergangenheit prädestiniert ist, eine Rebellin zu werden. Durch die generell mangelnden Charakterzeichnungen hat man das Gefühl einen sehr teuren B-Film zu sehen.




Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Train to Busan

























Regie: Yeon Sang-Ho

Zombies fahren mit der Eisenbahn...

"Train to Busan" ist der ultimative Blockbuster des Jahres 2016 aus Südkorea. Dort lockte der Zombiethriller ca. 11,6 Millionen Zuschauer in die Kinos. Regisseur Yeon Sang-Ho schrieb und führte Regie. Bereits in seinem Animationsfilm "Seoul Station" stellte er die Vorgeschichte zu "Train to Busan" vor.  Damit koppelte der Filmemacher zwei beliebte Film-Varianten: Zombie und Eisenbahnfilm. Durch letzteres Motiv erinnert der Film an "Snowpiercer" von Bong Joon Ho. Dieser präsentierte dem Zuschauer einen überlangen Zug, der durch ein Perpetuum mobile angetrieben wird. In "Train to Busan" wird der Zug zu einer Falle für alle Reisenden, weil sich ein infiziertes Mädchen (Shim Eun-kyung) kurz vor Abfahrt in den Zug retten kann. Doch sie mutiert sehr schnell zu einem Zombie. Hauptfigur ist der selbstsüchtige Fondsmanager Seok-Woo (Gong Yo). Die Frau hat sich von ihm getrennt, weil er immer nur an sich und seine Vorteile denkt. Dies begreift auch seine kleine Tochter Su-an (Kim Su-an), sie leidet wegen der Scheidung der Eltern. Der Vater schenkt ihr zu Geburtstag einen Artikel, den er ihr schon mal geschenkt hat. Dadurch kann das kleine Mädchen ihn dazu überreden, dass er mit ihr zusammen zur Mutter nach Busan fährt. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug KTX, der vom Bahnhof Seoul startet, ist man schnell am Zielort. Während der Papa schnell einschläft, macht das Mädchen einige sonderbare Beobachtung, die sie aus dem Fenster des abfahrenden Zuges noch wahrnimmt. Weil dem Mädchen langweilig ist, läuft sie durch andere Abteile. Dort lernt sie den kernigen Sang-Hwa (Ma Dong-Seok) mit seiner schwangeren Frau Sung-kyuung (Jeong Yu-mi) kennen. Die bekommen dann auch hautnah mit, dass ein Mädchen eine Zugbegleiterin angreift und in den Hals beißt. Diese verwandelt sich in einem Zombie. Zu zweit gehen die Zombinen auf die Bahngäste los. Hysterie macht sich breit. Auch unter einer Baseballmannschaft. Dort himmelt die Cheerleaderin Jin-hee (Ann Sohee) den Spieler Young-Gook (Choi Woo-shik) an. Auch die beiden mitreisenden Schwester In-gil (Ye Soo-jung) und Jong-gil (Park Myung-sin) werden in die Katastrophe mit hineingezogen. Besonders unangenehm fällt dabei der Chef eines großen Unternehmens (Kim Ui-Seong) auf, den der ist nur daran interessiert sich selbst zu retten...



Somit gibts einige Figuren zum Mitfiebern und noch einen echten Fiesling, dazu die Zombies die sich in Windeseile vermehren. Natürlich hat der Vater bei der Zombiekatastrophe genügend Zeit sich wieder auf seine Vaterpflichten zu besinnen und das vorherige Vernachlässigen wieder gut zu machen. Er wird einer der Helden im Kampf gegen die Untoten. Auch der bärenstarke Sang-Hwa zeigt größten Mut im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner, die Zombies breiten sich immer schneller aus. Es scheint kein Entkommen zu geben. Auch er wird zum Held. Ebenso der junge Baseballspieler. Neben den vielen Helden, gibts dann auch noch den gemeinen Feigling, der die Helden in auswegslose Lagen bringt. Dies alles spielt sich filmtechnisch auch in Hochgeschwindigkeit ab...wie der Zug. Die Stärke des Films ist sicherlich das enorme Tempo, dies erinnert stark an neue Zombieklassiker wie "World War Z" oder Zack Snyders Version von "Dawn of the Dead". So furios der Film auch ist - leider gibt es auch einen Hauch von Kitsch über Overacting und überdramatische Sterbeszenen. Dies sind vielleidcht die Schwächen von "Train to Busan", der sicherlich das Zeug zu einem Klassiker des Genres hat, ein Meisterwerk ist er trotzdem nicht geworden.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

The Monster

























Regie: Bryan Bertino

Im Wald lauert die Bestie...

Horrorfans könnte Regisseur Bryan Bertino durch den Home-Invasion Thriller "The Strangers" bekannt sein. Dort schaffte er es mit einer klassischen Geschichte unheimliche Spannung und Nervenkitzel zu erzeugen: Ein alleinstehendes Haus, dort lebt ein Pärchen und die bekommen eines Nachts Besuch von ungebetenen Gästen. Die haben nichts Gutes vor, denn die drei Gestalten mit Masken haben nichts anderes vor als zu töten. Eine gewisse Ähnlichkeit zu seiner neuesten Regiearbeit "The Monster". Auch hier findet wie in "The Monsters" alles auf einem begrenzten Raum statt, es gibt Jäger und Gejagte.
Bertino steckte den Horror in einen Independent-Film mit einem sichtlich zerütteteten Mutter-Tochter Verhältnis, das durch einen Autounfall im Wald eine erschreckende Wendung erfährt.
Die 10jährige Lizzy (Ella Ballentine) wächst bei ihrer überforderten und alkoholkranken Mutter kathy (Zoe Kazan) auf, seit die Eltern sich getrennt haben. Enormer Streit mit gegenseitigen Beleidungen sind an der Tagesordnung. Das Mädchen fühlt immer mehr, wie sie sich von der Mutter entfremdet. Nach einem Streit will die Tochter nur noch zu ihrem Vater. Auf der Fahrt dorthin überkreuzt ein Wolf die Landstraße. Um ihm auszuweichen, kommt es zu einem Autounfall. Der Wagen springt nicht mehr an. Scheinbar wurde das Tier überfahren, denn er liegt leblos am Straßenrand. Mit dem Handy informiert Kathy den Abschleppdienst und auch einen Krankenwagen. Während nun Kathy und die kleine Lizzy im defekten Auto geduldig auf die Hilfe warten, ist plötzlich der Wolf verschwunden. Lebt er doch noch ? Bald wissen die beiden mehr. Denn im Wald lebt eine bösartige Kreatur, ein menschenfressendes Monster...


"Und Monster gibt es doch" meint die Stimme im Off schon am Anfang und man hört diesen Satz am Ende noch  einmal. Bei "The Monster" handelt es sich um einen Low Budget Film, der die Produzenten weniger als 3 Millionen US-Dollar kostete. Der Film ist klassisch aufgebaut und hält sich an eine gute und vernünftige Regel das Monster nicht so oft zu zeigen. So bezieht er seine Spannung vor allem aus der Situation des dunklen Waldes, man weiß nie, wo und wann dieses bösartige und gefräßige Tier zuschlägt. Denn alles ist ruhig, nichts wirkt wirklich bedrohlich. Lediglich die Autopanne, mitten im Wald, im Dunkel sorgt für etwas Unbehagen. So warten auch Mutter und Tochter ungeduldig auf das Eintreffen der Helfer. Und in dieser Zeit kommen sie sich auch wieder etwas näher. Sie finden sogar durch den Horror, der auf sie einwirkt, am Ende wieder zueinander. Der Preis ist jedoch sehr hoch.
Die Herkunft des Monsters bleibt im Dunkel. Bertino schafft es auch irgendwie andere Interpretationsmöglichkeiten dem Zuschauer zu offerieren. Interessant dabei ist das seelische und psychische Verfassung des Mädchens. Ob dieser Horror im Kopf der Kleinen abläuft ?



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Sonntag, 23. April 2017

Arrival

























Regie: Denis Villeneuve

Ankunft der Ausserirdischen...

Das weltweite Einspielergebnis von 198 Millionen Dollar kann sich sehen lassen. Der kanadische Filmregisseur Denis Villeneuve, der 2010 mit seinem hervorragenden Nahostdrama "Die Frau, die singt" schlagartig bekannt wurde, hat sich mit guten Nachfolgefilmen wie "Enemy", "Prisoners" oder "Sicario" zu einem Kritikerliebling entwickelt. Und auch sein Ausflug ins Science Fiction Fach mit "Arrival" ist extrem gut gelungen. Man könnte aufgrund der Nähe zu den realistischen Zukunftsszenarien eine verwandtschaftliche Nähe zu de jüngsten Klassikern des Genres wie "Gravity" (Alfonso Cuaron), "Der Marsianer" (Ridley Scott) und "Interstellar" (Christopher Nolan) ziehen, dennoch ist "Arrival" ein bisschen mehr. Zudem ist er der gelungenste Film dieses erfolgreichen Quartetts. Man könnte ihn als eine Fortzsetzng zu Spielbergs "Close Encounters" deuten, denn "Arrival" beschäftigt sich ausschließlich mit der ersten Landung von Ausserirdischen auf unserem Planeten. Durch den philsophischen Unterton erinnert er auch an Ron Howards "Contact", der Villeneuve vermeidet es eine Erklärung für dieses geschichtlich bedeutsame Zukunftsereignis zu liefern.
Spannung bezieht "Arrival" dabei aufgrund seiner Klarheit beim Thema zu bleiben. Der Mensch ist konfrontiert mit einer fremden Spezies und sucht Kontakt. Dieser ist erschwert, da die Sprache uns nicht weiterhilft mit den überraschend bei uns gelandeten Gästen zu kommunizieren. Es geht dabei um die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache im allgemeinen und darum wie wir mit etwas umgehen, was wir nicht verstehen. Der Film zeigt eindrücklich die Angst, die hinter diesen Kennenlernen steckt. So hat das federführende Militär die primäre Aufgabe herauszufinden "Woher kommt ihr und vor allem was wollt ihr hier bei uns".
Verwoben mit dieser Fragestellung ist auch das persönliche Schicksal und Leben der Liguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams), die vor kurzem ihre junge Tochter auf dem Sterbebett in den Tod begleiten musste.
Während einer ihrer Vorlesungen an der Uni landen zwölf außerirdische Raumschiffe an unterschiedlichen Punkten auf der Erde. Banks und der Physiker und Mathematiker Ian Donnenlly (Jeremy Renner) werden von US-Colonel Weber (Forest Whittaker) spezielle für ein amerikanisches Team engagiert, da eins dieser zwölf muschelfrömigen Flugköerper auch in Montana gelandet ist. Die ersten Versuche durch Teams von Militär und Geheimdiensten hatten keinen Erfolg mit den Ausserirdischen, die wie riesige Tintenfische aussehen, Kontakt aufzunehmen. Doch jedes von diesen 450 m hohen schwarzen, monolithisch wirkenden Raumschiffe öffnet sich alle 18 Stunden und den Menschen wird so die Betretung erlaubt. Ein Schacht, in dem die Schwerkraft manipuliert ist, gelingt die Crew in einen Raum, der von durch Glas abgetrennt ist. Auf der einen Seite stehen die Menschen, auf der anderen die beiden Aliens. 
Beide Wissenschaftler müssen nun versuchen eine Kommunikation mit diesen Wesen mit den sieben Füßen (daher werden sie sofort als Heptapoden bezeichnet) aufzubauen, scherzhaft bekommen die beiden Aliens dabei die Namen "Abbott und Costello" verpasst.
Während Louise und Ian ihre Namen auf Schrifttafeln schreiben, antworten die Außerirdischen mit ihren Füßen und zeichnen kreisrunde Schriftzeichen an die Wand, die jedesmal ein anderes Aussehen haben. Doch der Kontakt bleibt nicht ohne Konsequenzen. Immer mehr Bilder ihrer verstorbenen Tochter erscheinen Louise und sie kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Aliens bereits einen Zugang zu ihr persönlich gefunden haben. Somit wird die Geschichte über den ersten Kontakt mit Ausserirdischen auch eine Geschichte wie wir mit Verlust umgehen, wenn wir jemanden verlieren, denn wir lieben....
 



Villeneuve hat mit "Arrival" Ted Chiangs Erzählung "Story of my life" aus dem Erzählband "Die Hölle in der Abwesenheit Gottes" sehr gut verfilmt. Hier stimmt einfach alles. Die Dramaturgie, das Timing, die Farben, die Bilder...alles fügt sich als Einheit meisterlich zusammen. Amy Adams beweist einmal mehr, dass sie eine klasse Schauspielerin ist. Der Fokus liegt strikt bei der linguistischen Prämisse und diese sorgt für Authentizität und Spannung, auch wenn es nicht viel Action gibt. Aber ausserhalb dieser Begegnungen zwischen zwei Menschen und zwei Ausserirdischen wird immer wieder Bezug darauf genommen, wie die Menschheit an den 12 verschiedenen Orten (auch Russland und China) auf die Besucher reagiert...man spürt die Angst, man spürt die Anspannung und auch die kriegerischen Methoden, die zunehmend von der Bevölkerung gewünscht wird. Man will die Eindringlinge, die sich nicht in ihren Absichten zu erkennen geben können, am liebsten zerstören und beseitigen. Also das übliche menschliche Säbelrasseln, während indivuell ein tiefenphilosophischeer Exkurs in das Wesen von Sprache und Kommunikaton als Alternative aufgezeigt wird. Ein Plädoyer fürs Verstehen vom Gegenüber, dass so viel höher anzusiedeln ist wie militärische Stärke oder Heldentum, Kriegserfolg und sogar menschliche Intelligenz. Mit der unheimlichen Begegnung der dritten Art, die unvergesslich bleibt, sorgt aber auch die menschliche Begegnung noch für einen weiteren Höhepunkt des Lebens.
Das Bild der trauernden Mutter am Bett ihrer kahlköpfigen Tochter wird noch öfter im Film zu sehen sein, aber das Schlußbild steht für die Hoffnung auf weitere Glücksmomente. "Arrival" war einer der großen Oscarkandidaten des Jahres 2016. Der Film bekam insgesamt 8 Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Tonschnitt, Bester Ton, Bester Schnitt, Beste Kamera (Bradford Young) und bestes Szenenbild. Allerdings gabs am Ende die Auszeichnung nur für Sylvain Bellemare in der Kategorie "Bester Tonschnitt".
"Arrival" kann man als eine Art neuen "Am Tag, als die Erde stillstand" ansehen.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 2. April 2017

Planet der Affen

























Regie: Franklin J. Schaffner

Im Jahr 3978....

1968 gelang dem Regisseur Franklin J. Schaffner (Patton, Papillon, Nikolaus und Alexandra) sein vielleicht populärster Film. "Planet der Affen" basiert auf dem Roman "La Planete des singes" aus dem Jahr 1963 von Pierre Boulle über drei französische Forscher im 26. Jahrhundert, die unter Führung von Ulysse Meour ihr Raumschiff auf einem Planeten landen und dort - scheinbar in der Zukunft - auf eine Zivilistation treffen, die von klugen Affen bewohnt wird. Der stummen und dummen Menschen, die dort ebenfalls leben, werden wie Tiere von den Affen behandelt und gehalten.
Schaffners Film wurde ein riesiger Welterfolg, einer der 10 erfolgreichsten Filme des Jahres 1968 und er brachte es bis 1973 auf insgesamt vier erfolgreiche Fortsetzungen: Rückkehr zum Planet der Affen (1970, Regie: Ted Post), Flucht vom Planet der Affen (1971, Regie: Don Taylor), Eroberung vom Planet der Affen (1972, J.Lee 'Thompson) und "Die Schlacht um den Planet der Affen" (1973, Regie: J. Lee Thompson).
2001 wagte sich Tim Burton mit "Planet der Affen" an eine Neuverfilmung. In finanzieller Hinsicht wurde dieses Remake mit einem weltweiten Einspielergbnis von 362 Millionen Dollar ein riesiger Erfolg, die Kritiken fielen aber mager aus - trotz Publikumsliebling Marc Wahlberg. Besser bewertet wurde der 2011 inszenierte "Planet der Affen-Prevolution" von Rupert Wyatt und dessen Fortzsetzung "Revolution" von Matt Reeves, dem bisher finanziell erfolgreichsten Affen-Movie (710 Millionen Dollar weltweit). Auch der bald startende dritte Teil der new Generation "War of the Planet of the Apes" dürfte ein echter Blockbuster werden. Seit nunmehr fast 50 Jahren mischen diese Affen erfolgreich in der Kinogeschichte mit.
Die Filmversion von 1968 ist natürlich aufgrund ihrer Aussage die filmgeschichtlich interessanteste. Während die meisten anderen Fortsetzungen reine Genrefilme waren, bleibt der erste "Planet der Affen" ein interessantes Science Fiction Abenteuer, dass seine Wirkung bis heute beibehalten hat.
Vier Astronauten (drei Männer und eine Frau) sind im Jahr 1972 seit 6 Monaten im Weltraum unterwegs. Doch durch die Zeitdilatation bei annähernder Lichtgeschwindigkeit, mit der das Raumschiff unterwegs ist, dürfte nun auf der Erde schon das Jahr 2673 angebrochen sein. Die Crew weiß das, aber sie haben sich alle nicht besonders schmerzlich von der Erde entfernt, da die Kriege immer mehr überhand nahmen. Auf einem anderen Planeten versuchen die Vier eine neue Aufgabe zu finden. Astronaut Taylor (Charlton Heston) hat seine Begleiter Landon, Dodge und Stewart bereits in den Tiefschlaf versetzt. Er setzt sich auch die Spritze, macht seinen letzten Logbuch-Eintrag und schläft dann auch friedlich ein. Dann ein Krach und er wacht abrupt wieder auf. Das Raumschiff befindet sich auf einem fremden Planeten und ist soeben in einen See gekracht, die Astronautin Stewart ist tot. Mit knapper Not überleben die drei Anderen, sie finden aber eine öde Wüstenlandschaft vor. Erst nach vielen Tagen entdecken sie Leben...menschliches Leben...auf diesem Planeten. Doch die Menschen sind stumm und geben nur unverständliche Laute von sich. Eine hübsche Frau (Linda Harrison) fällt Taylor besonders auf. Aber Zeit zum näheren Kennenlernen gibts keine, denn plötzlich bemerken die Astronauten, dass Jagd auf diese Horde Menschen gemacht wird. Als sie die Jäger zu Gesicht bekommen, ist der Schock groß: Es sind brutale Gorillas in Unform. Einige der fliehenden Menschen werden von den Affen kaltblütig ermordet, andere gefangengenommen und mit in die Affenstadt gebracht. Dort leben die klugen Affen in einer Art Kastenwesen. Die Orang Utans sind Adlige und Politiker, der mächtigste unter ihnen ist Dr. Zaius (Maurice Evans). Die Gorillas sind Soldaten, Polizisten, Arbeiter und Jäger. Die Schimpansen sind Forscher, Wissenschaftler und verhalten sich intellektuell. Der Ärztin Dr. Zira (Kim Hunter) und ihrem Freund Cornelius (Roddy McDowall) fällt auch gleich der neue Gefangene auf, der bei der Jagd verletzt wurde und der Gesten macht, als könne er sprechen. Reichlich absurd, die Menschen sind doch dumme Primaten. Aber mit dem neuen Gefangenen ließe sich womöglich was Aufsehenerregendes beweisen: Die These, dass der Affe vom Menschen abstammt. Aber in den Augen der Gesellschaft und der Religion ist dies ein Frevel und unter keinen Umständen soll Dr. Zira beweisen können, dass hier ein kluger Mensch gefangen genommen wurde...





Es ist also die Umkehr der Rollen von Mensch und Tier, dass den Film so extrem interessant macht. Da lässt sich auch viel Brisanz im Verhalten vom Mensch zum Tier (z.B. Tierversuche) ableiten und der Mensch bekommt einen Spiegel vorgehalten. Die Masken sind klasse gemacht und ich kann mich noch daran erinnern, wie mich das Aussehen dieser Affen als Kind fasziniert hat. Dafür wurde Maskenbildner John Chambers mit einem Ehrenoscar im Jahr 1969 bedacht. Auch die Musik von Jerry Goldsmith, die einfallsreichen und auffälligen Kostüme sowie die vorzügliche Kameraarbeit von Leon Shamroy sind hervorragend.
Beste Szene des großartigen Klassikers gibts dann am Ende, als Charlton Heston gemeinsam mit Linda Harrison mit dem Pferd die Region der Affen verlässt und den Strand entlang reitet. Was er dabei entdeckt, hat Filmgeschichte geschrieben. Und auch die Dialoge sind unvergessen. Charlton Hestons Spruch "Take your stinking paws off me, you damn dirty ape" wurde in die AFI Liste der 100 besten Filmzitate auf Platz 66 gewählt.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.