Sonntag, 23. April 2017

Arrival

























Regie: Denis Villeneuve

Ankunft der Ausserirdischen...

Das weltweite Einspielergebnis von 198 Millionen Dollar kann sich sehen lassen. Der kanadische Filmregisseur Denis Villeneuve, der 2010 mit seinem hervorragenden Nahostdrama "Die Frau, die singt" schlagartig bekannt wurde, hat sich mit guten Nachfolgefilmen wie "Enemy", "Prisoners" oder "Sicario" zu einem Kritikerliebling entwickelt. Und auch sein Ausflug ins Science Fiction Fach mit "Arrival" ist extrem gut gelungen. Man könnte aufgrund der Nähe zu den realistischen Zukunftsszenarien eine verwandtschaftliche Nähe zu de jüngsten Klassikern des Genres wie "Gravity" (Alfonso Cuaron), "Der Marsianer" (Ridley Scott) und "Interstellar" (Christopher Nolan) ziehen, dennoch ist "Arrival" ein bisschen mehr. Zudem ist er der gelungenste Film dieses erfolgreichen Quartetts. Man könnte ihn als eine Fortzsetzng zu Spielbergs "Close Encounters" deuten, denn "Arrival" beschäftigt sich ausschließlich mit der ersten Landung von Ausserirdischen auf unserem Planeten. Durch den philsophischen Unterton erinnert er auch an Ron Howards "Contact", der Villeneuve vermeidet es eine Erklärung für dieses geschichtlich bedeutsame Zukunftsereignis zu liefern.
Spannung bezieht "Arrival" dabei aufgrund seiner Klarheit beim Thema zu bleiben. Der Mensch ist konfrontiert mit einer fremden Spezies und sucht Kontakt. Dieser ist erschwert, da die Sprache uns nicht weiterhilft mit den überraschend bei uns gelandeten Gästen zu kommunizieren. Es geht dabei um die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache im allgemeinen und darum wie wir mit etwas umgehen, was wir nicht verstehen. Der Film zeigt eindrücklich die Angst, die hinter diesen Kennenlernen steckt. So hat das federführende Militär die primäre Aufgabe herauszufinden "Woher kommt ihr und vor allem was wollt ihr hier bei uns".
Verwoben mit dieser Fragestellung ist auch das persönliche Schicksal und Leben der Liguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams), die vor kurzem ihre junge Tochter auf dem Sterbebett in den Tod begleiten musste.
Während einer ihrer Vorlesungen an der Uni landen zwölf außerirdische Raumschiffe an unterschiedlichen Punkten auf der Erde. Banks und der Physiker und Mathematiker Ian Donnenlly (Jeremy Renner) werden von US-Colonel Weber (Forest Whittaker) spezielle für ein amerikanisches Team engagiert, da eins dieser zwölf muschelfrömigen Flugköerper auch in Montana gelandet ist. Die ersten Versuche durch Teams von Militär und Geheimdiensten hatten keinen Erfolg mit den Ausserirdischen, die wie riesige Tintenfische aussehen, Kontakt aufzunehmen. Doch jedes von diesen 450 m hohen schwarzen, monolithisch wirkenden Raumschiffe öffnet sich alle 18 Stunden und den Menschen wird so die Betretung erlaubt. Ein Schacht, in dem die Schwerkraft manipuliert ist, gelingt die Crew in einen Raum, der von durch Glas abgetrennt ist. Auf der einen Seite stehen die Menschen, auf der anderen die beiden Aliens. 
Beide Wissenschaftler müssen nun versuchen eine Kommunikation mit diesen Wesen mit den sieben Füßen (daher werden sie sofort als Heptapoden bezeichnet) aufzubauen, scherzhaft bekommen die beiden Aliens dabei die Namen "Abbott und Costello" verpasst.
Während Louise und Ian ihre Namen auf Schrifttafeln schreiben, antworten die Außerirdischen mit ihren Füßen und zeichnen kreisrunde Schriftzeichen an die Wand, die jedesmal ein anderes Aussehen haben. Doch der Kontakt bleibt nicht ohne Konsequenzen. Immer mehr Bilder ihrer verstorbenen Tochter erscheinen Louise und sie kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Aliens bereits einen Zugang zu ihr persönlich gefunden haben. Somit wird die Geschichte über den ersten Kontakt mit Ausserirdischen auch eine Geschichte wie wir mit Verlust umgehen, wenn wir jemanden verlieren, denn wir lieben....
 



Villeneuve hat mit "Arrival" Ted Chiangs Erzählung "Story of my life" aus dem Erzählband "Die Hölle in der Abwesenheit Gottes" sehr gut verfilmt. Hier stimmt einfach alles. Die Dramaturgie, das Timing, die Farben, die Bilder...alles fügt sich als Einheit meisterlich zusammen. Amy Adams beweist einmal mehr, dass sie eine klasse Schauspielerin ist. Der Fokus liegt strikt bei der linguistischen Prämisse und diese sorgt für Authentizität und Spannung, auch wenn es nicht viel Action gibt. Aber ausserhalb dieser Begegnungen zwischen zwei Menschen und zwei Ausserirdischen wird immer wieder Bezug darauf genommen, wie die Menschheit an den 12 verschiedenen Orten (auch Russland und China) auf die Besucher reagiert...man spürt die Angst, man spürt die Anspannung und auch die kriegerischen Methoden, die zunehmend von der Bevölkerung gewünscht wird. Man will die Eindringlinge, die sich nicht in ihren Absichten zu erkennen geben können, am liebsten zerstören und beseitigen. Also das übliche menschliche Säbelrasseln, während indivuell ein tiefenphilosophischeer Exkurs in das Wesen von Sprache und Kommunikaton als Alternative aufgezeigt wird. Ein Plädoyer fürs Verstehen vom Gegenüber, dass so viel höher anzusiedeln ist wie militärische Stärke oder Heldentum, Kriegserfolg und sogar menschliche Intelligenz. Mit der unheimlichen Begegnung der dritten Art, die unvergesslich bleibt, sorgt aber auch die menschliche Begegnung noch für einen weiteren Höhepunkt des Lebens.
Das Bild der trauernden Mutter am Bett ihrer kahlköpfigen Tochter wird noch öfter im Film zu sehen sein, aber das Schlußbild steht für die Hoffnung auf weitere Glücksmomente. "Arrival" war einer der großen Oscarkandidaten des Jahres 2016. Der Film bekam insgesamt 8 Nominierungen (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Tonschnitt, Bester Ton, Bester Schnitt, Beste Kamera (Bradford Young) und bestes Szenenbild. Allerdings gabs am Ende die Auszeichnung nur für Sylvain Bellemare in der Kategorie "Bester Tonschnitt".
"Arrival" kann man als eine Art neuen "Am Tag, als die Erde stillstand" ansehen.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 2. April 2017

Planet der Affen

























Regie: Franklin J. Schaffner

Im Jahr 3978....

1968 gelang dem Regisseur Franklin J. Schaffner (Patton, Papillon, Nikolaus und Alexandra) sein vielleicht populärster Film. "Planet der Affen" basiert auf dem Roman "La Planete des singes" aus dem Jahr 1963 von Pierre Boulle über drei französische Forscher im 26. Jahrhundert, die unter Führung von Ulysse Meour ihr Raumschiff auf einem Planeten landen und dort - scheinbar in der Zukunft - auf eine Zivilistation treffen, die von klugen Affen bewohnt wird. Der stummen und dummen Menschen, die dort ebenfalls leben, werden wie Tiere von den Affen behandelt und gehalten.
Schaffners Film wurde ein riesiger Welterfolg, einer der 10 erfolgreichsten Filme des Jahres 1968 und er brachte es bis 1973 auf insgesamt vier erfolgreiche Fortsetzungen: Rückkehr zum Planet der Affen (1970, Regie: Ted Post), Flucht vom Planet der Affen (1971, Regie: Don Taylor), Eroberung vom Planet der Affen (1972, J.Lee 'Thompson) und "Die Schlacht um den Planet der Affen" (1973, Regie: J. Lee Thompson).
2001 wagte sich Tim Burton mit "Planet der Affen" an eine Neuverfilmung. In finanzieller Hinsicht wurde dieses Remake mit einem weltweiten Einspielergbnis von 362 Millionen Dollar ein riesiger Erfolg, die Kritiken fielen aber mager aus - trotz Publikumsliebling Marc Wahlberg. Besser bewertet wurde der 2011 inszenierte "Planet der Affen-Prevolution" von Rupert Wyatt und dessen Fortzsetzung "Revolution" von Matt Reeves, dem bisher finanziell erfolgreichsten Affen-Movie (710 Millionen Dollar weltweit). Auch der bald startende dritte Teil der new Generation "War of the Planet of the Apes" dürfte ein echter Blockbuster werden. Seit nunmehr fast 50 Jahren mischen diese Affen erfolgreich in der Kinogeschichte mit.
Die Filmversion von 1968 ist natürlich aufgrund ihrer Aussage die filmgeschichtlich interessanteste. Während die meisten anderen Fortsetzungen reine Genrefilme waren, bleibt der erste "Planet der Affen" ein interessantes Science Fiction Abenteuer, dass seine Wirkung bis heute beibehalten hat.
Vier Astronauten (drei Männer und eine Frau) sind im Jahr 1972 seit 6 Monaten im Weltraum unterwegs. Doch durch die Zeitdilatation bei annähernder Lichtgeschwindigkeit, mit der das Raumschiff unterwegs ist, dürfte nun auf der Erde schon das Jahr 2673 angebrochen sein. Die Crew weiß das, aber sie haben sich alle nicht besonders schmerzlich von der Erde entfernt, da die Kriege immer mehr überhand nahmen. Auf einem anderen Planeten versuchen die Vier eine neue Aufgabe zu finden. Astronaut Taylor (Charlton Heston) hat seine Begleiter Landon, Dodge und Stewart bereits in den Tiefschlaf versetzt. Er setzt sich auch die Spritze, macht seinen letzten Logbuch-Eintrag und schläft dann auch friedlich ein. Dann ein Krach und er wacht abrupt wieder auf. Das Raumschiff befindet sich auf einem fremden Planeten und ist soeben in einen See gekracht, die Astronautin Stewart ist tot. Mit knapper Not überleben die drei Anderen, sie finden aber eine öde Wüstenlandschaft vor. Erst nach vielen Tagen entdecken sie Leben...menschliches Leben...auf diesem Planeten. Doch die Menschen sind stumm und geben nur unverständliche Laute von sich. Eine hübsche Frau (Linda Harrison) fällt Taylor besonders auf. Aber Zeit zum näheren Kennenlernen gibts keine, denn plötzlich bemerken die Astronauten, dass Jagd auf diese Horde Menschen gemacht wird. Als sie die Jäger zu Gesicht bekommen, ist der Schock groß: Es sind brutale Gorillas in Unform. Einige der fliehenden Menschen werden von den Affen kaltblütig ermordet, andere gefangengenommen und mit in die Affenstadt gebracht. Dort leben die klugen Affen in einer Art Kastenwesen. Die Orang Utans sind Adlige und Politiker, der mächtigste unter ihnen ist Dr. Zaius (Maurice Evans). Die Gorillas sind Soldaten, Polizisten, Arbeiter und Jäger. Die Schimpansen sind Forscher, Wissenschaftler und verhalten sich intellektuell. Der Ärztin Dr. Zira (Kim Hunter) und ihrem Freund Cornelius (Roddy McDowall) fällt auch gleich der neue Gefangene auf, der bei der Jagd verletzt wurde und der Gesten macht, als könne er sprechen. Reichlich absurd, die Menschen sind doch dumme Primaten. Aber mit dem neuen Gefangenen ließe sich womöglich was Aufsehenerregendes beweisen: Die These, dass der Affe vom Menschen abstammt. Aber in den Augen der Gesellschaft und der Religion ist dies ein Frevel und unter keinen Umständen soll Dr. Zira beweisen können, dass hier ein kluger Mensch gefangen genommen wurde...





Es ist also die Umkehr der Rollen von Mensch und Tier, dass den Film so extrem interessant macht. Da lässt sich auch viel Brisanz im Verhalten vom Mensch zum Tier (z.B. Tierversuche) ableiten und der Mensch bekommt einen Spiegel vorgehalten. Die Masken sind klasse gemacht und ich kann mich noch daran erinnern, wie mich das Aussehen dieser Affen als Kind fasziniert hat. Dafür wurde Maskenbildner John Chambers mit einem Ehrenoscar im Jahr 1969 bedacht. Auch die Musik von Jerry Goldsmith, die einfallsreichen und auffälligen Kostüme sowie die vorzügliche Kameraarbeit von Leon Shamroy sind hervorragend.
Beste Szene des großartigen Klassikers gibts dann am Ende, als Charlton Heston gemeinsam mit Linda Harrison mit dem Pferd die Region der Affen verlässt und den Strand entlang reitet. Was er dabei entdeckt, hat Filmgeschichte geschrieben. Und auch die Dialoge sind unvergessen. Charlton Hestons Spruch "Take your stinking paws off me, you damn dirty ape" wurde in die AFI Liste der 100 besten Filmzitate auf Platz 66 gewählt.





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Sonntag, 26. März 2017

Before I wake

























Regie: Mike Flanagan

Von Träumen und vom Zwang wach zu bleiben...

Der US-Amerikaner Mike Flanagan ist eine der neuen Regiehoffnungen für das Horrorfilmgenre. Er dreht nicht nur seine Filme sondern schreibt auch die Drehbücher und oft produziert er sie auch selbst. Mit "Absentia" machte er erstmalig auf sich aufmerksam, danach folgte sein bis dato bester Film "Oculus" mit dem hoffnungsvollen Jungstar Brendan Thwaites in einer der Hauptrollen. 2016 markiert ein sehr produktives Jahr, auf sein Konto gehen die Filme "Hush", "Ouija: Origin of Evil" und "Before I wake". Letzerer versteht sich als originelle und teilweise sogar gewagte Mischung aus Horror und Fantasy. Ursprünglich sollte der Film "Somnia" heißen, also laut der griechischen Mythologie die Verkörperung von Träumen, der Gegensatz dazu die Schlaflosigkeit "Insomnia" und beide Zustände sind Thema seines Genrebeitrags.
Der Film greift mit einer Szene vor, die erst später eine Bedeutung bekommt. Ein Mann steht mit einer Pistole vor einem schlafenden Kind. Zitternd und schwitzend versucht der Mann auch tatsächlich abzudrücken, doch mi letzten Moment besinnt er sich doch anders. Das Gewehrfeuer hat aber den Jungen inzwischen wach gemacht, schaut in die Augen des Mannes und der bricht in Tränen aus.
Die nächste Szene zeigt das Ehepaar Jessie (Kate Bosworth) und Mark (Thomas Jane), die mit einer Beamtin (Annabeth Gish) über eine Adoption sprechen. Der kleine Sohn Sean (Antonio Evan Romero) ist vor einiger Zeit im Bad ertrunken und die Eltern versuchen den Verlust immer noch zu verarbeiten. Gemeinsam besuchten sie eine Selbsthilfegruppe, inzwischen geht aber nur noch Jessie regelmässig dorthin. Dann steht die Entscheidung den achtjährigen Cody Morgan (Jacob Tremblay) bei sich aufzunehmen und das Kind zu adoptieren. Der kleine Junge hat auch schon viel Leid hinter sich, die Mutter ist verstorben und die beiden vorherigen Adoptionsversuche scheiterten nach einiger Zeit. Mit Jessie und Mark scheint es aber gut zu funktionieren, der Junge fasst schnell Vertrauen.  Sie machen aber eines Abends eine seltsame Entdeckung. In ihrer Wohnung erscheint ein neonblauer Schmetterling und bald erscheint ein ganzer Schwarm Schmetterlinge. So richtig unheimlich wird es, als auf einmal der verstorbene Sohn vor ihnen steht und es ist keine Einbildung, die Eltern können ihr Kind berühren und umarmen. Alles wirkt real.   
Wie sich bald herausstellt, ist Cody dafür verantwortlich. Wenn er träumt, passieren diese merkwürdigen Dinge. Wacht er auf, ist der Schmetterling verschwunden, samt den Traumfiguren. Doch auch Cody selbst erlebt die Träume intensivund er erlebt diese aber nicht positiv, denn je mehr er träumt, desto eher entwickelt sich dabei ein Monster. Er nennt ihn den "Kreuzmann" und sagt, dass der auch seine Mami gefressen hätte und seither ständig bei ihm ist. Bald werden auch Jessie und Marc mit diesem Bösewicht aller Alpträume konfrontiert, der sich scheinbar aus dem Schwarm der Schmetterlinge zusammensetzt...


Zum Glück verzichtet Flanagan auf zuviel Budenzauber, sondern zieht seine Geschichte durch und kommt ohne gravierende Logiklöcher zum Schlußpunkt seiner Geschichte. Die hat vielleicht ein gutes Ende, aber wenn man genau aufpasst, dann gibt es zwei Widerhaken. Wer Plots vermisst, der wird vielleicht enttäuscht sein. Aber ich bin froh, dass der Film bei seinem Thema "Traum" bleibt und mit dem Jacob Trembley, der bereits in "Raum" eine oscarreife Vorstellung ablieferte, wirkt alles sehr glaubwürdig. Ein hellsichtiges Kind in einer heftigen Misere und gefangen in einem traumatischen Zustand, der gewisse Dynamiken freisetzt, die dem Zuschauer Raum geben die Story weiterzuspinnen und gewisse Kleinigkeiten zu achten, die der Film während der Laufzeit gar nicht preisgibt. Für mich ein guter und gelungener Horrorfilm.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 19. März 2017

Dune - der Wüstenplanet

























Regie: David Lynch

Verschwörungen im Weltraum...

David Lynch gilt als Meister filmischer Albträume - seine Werke sind surreal, verstörend, surrealistisch und wenden sich an das Unbewusste im Zuschauer. Dieser typische Stil setzte sich vor allem ab "Blue Velvet" immer mehr durch. Seine vorherigen Filme waren noch nicht so einheitlich. Expermimentell war "Eraserhead" und der Nachfolgefilme "Der Elefantenmensch" etablierte ihn auch im Mainstream-Kino. Durch den Ausstieg von Ridley Scott kam David Lynch schließlich zu seinem nächsten Projekt. Dino de Laurentis kontaktierte ihn für die Adaption des Weltraum-Romans "Dune" von Frank Herbert. Lynch verfasste mehrere Drehbücher für dieses ambitionierte Projekt, aber erst seine 7. Drehbuchversion wurde dann auch akzeptiiert. Die Kosten waren sehr hoch und beliefen sich auf 52 Millionen Dollar. Es sollte ein Monumentalfilm mit langer Laufzeit werden, doch die Produzenten bestimmten, dass das Material auf 2 Stunden zusammengeschnitten werden musste. So gab Lynch auch einmal zu, dass er "Dune" nicht im Griff hatte. Er machte den Film für die Produzenten, aber nicht für sich selbst. Es war unvermeidbar, dass "Dune" bei der Kritik ein echter Mißerfolg wurde. Für den Zuschauer zu sehen ist das vielleicht, dass der Film je mehr er sich zu seinem Höhepunkt bewegt, desto mehr verzettelt sich auch die Handlung. Dabei ist besonders die erste Stunde dieser aussergewöhnlichen Science Fiction Oper atmosphärisch brillant gestaltet. Dies ist schon in der ersten sehr bekannten Szene des Films zu sehen. Da hat sich Lynch entschieden die Einleitung von Prinzessin Irulan (Virginia Madsen), der Tochter des Imperators Shaddam IV. (Jose Ferrer) erzählen zu lassen. Lynch setzt da auf die Mystik der Geschichte, der Zuschauer hört die inneren Monologe der Protagonisten und sieht wie diese Figuren von Träumen und Visionen geplagt werden. Mit dem jungen Paul Atrreides (Kyle McLachlan) kommt eine Art Messiasfigur ins Spiel. Es ist das Jahr 10191 - die Menschheit hat inzwischen das Weltall besiedelt. Vier Planeten stehen im Verdacht an einer Verschwörung beteiligt zu sein: Arrakis oder "Dune - der Wüstenplanet" ist der einzige Planet des Universums auf dem das "Spice" existiert. Das "Spice" ist eine bewusstseinserweiternde Droge, mit der es möglich ist, durch pure Gedankenkraft sofort in jeden Teil des Universums zu reisen. Das Spice wird mit riesigen Erntemaschinen abgebaut, doch es ist ein gefährliches Unterfangen. Es gibt riesige Sandwürmer in dieser Wüste. Aber das Spice muss fließen...die Navigatoren der Raumfahrergilde brauchen sie für diese interstellare Raumfahrt mit Überlichtgeschwindigkeit. Wer das Spice hat, der regiert das Universum - Bewohner dieses begehrten Planeten sind die Fremen. Zweiter Planet im Verschwörungsverdacht ist der Giedi Prime, auf dem der böse Herrscher Vladimir Harkonnen (Kenneth McMillan) mit seinen fiesen Verwandten Rabban (Paul L. Smith) und Feyd (Sting) herrscht. Der dritte Planet ist Kaitan, Sitz des Imperators - er hat mit Harkonnen eine Allianz gegen den beliebten Herzog Leto Atreides (Jürgen Prochnow) geschmiedet, dem Herrscher des Planeten Caladan. Wie die Vertraute des Imperators, die ehrwürdige Mutter Gaius Helen Mohiam (Sian Philipps) gehört auch Letos Konkubine Jessica (Francesca Annis) dem Orden der Bene Gesserit Schwestern an. Gemeinsam hat das Paar einen Sohn namens Paul geboren, obwohl es ihr streng verboten war - sie hätte nur Töchter gebären dürfen. Dieser Paul könnte tatsächlich der kommende "Kwisatz haderach" sein, vom dem die Prophezeiungen erzählen. Harkonnen gelingt es, Letos Leibarzt Dr. Wellington Yueh (Dean Stockwell) zum Verräter zu machen. Letos Tod ist damit besiegelt. Doch noch mehr wird auch Paul nach dem Leben getrachtet..




Geplant waren noch weitere Teile des ausufernden Romans, aber durch den finanziellen Mißerfolg kam es leider nicht mehr dazu. So ist "Dune" in seiner 80er Jahre genauso unfertig und gescheitert wie der erste Versuch Tolkiens "Herr der Ringe" zu verfilmen. Die Zeichentrickversion von Ralph Bakshi kam als unvollendete Geschichte in die Kinos. Kameramann Freddie Francis hat natürlich tolle Bilder dazu geschaffen, dies verleiht der etwas wirren Weltraumoper einiges an Faszination. Auch die Musik von Toto und Brian Eno ist opulent und unterstützt manch eine grandiose Szene. Besonders geheimnisvoll wirken die Mächte der Bene Gesserit Hexen. Viele bekannte Schauspieler wie Max von Sydow,  Everett McGill, Brad Dourif, Patrick Stewart, Linda Hunt, Silvana Mangano oder Sean Young sind in kleinen Nebenrollen zu sehen. Interessant auch Bezüge zur heutigen Welt. Spice als Treibstoff für das gesamte Transportsystem der Zukunft erinnert immer mal wieder an unser Erdöd aus den Wüstengebieten des Nahen Ostens.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

A Chinese Ghost Story 2


Regie: Ching Siu Tung

Als Dämonenkrieger unterwegs...

Der rasant inszenierte Wuxia-Streifen "A Chinese Ghost Story" von Ching Siu-Tung aus dem Jahr 1987 wurde überraschend auch ein großer internationaler Erfolg und bereits drei Jahre später wurde eine Fortsetzung dieser Mischung aus Geistergeschichte, Komödie, Fantasy und buddhistischer bzw. taoistischer Elemente gedreht. Wieder war Tsui Hark Produzent, der auf Bewährtes setzte und Ching Siu-Tung die Regie übertrug und auch den populären Schauspieler Leslie Cheung als Hauptdarsteller verpflichtete. Somit beginnt Teil 2 dort, wo Teil 1 aufgehört hat.
Hauptfigur der Geschichte ist ja der junge und naive Schuldeneintreiber Ling Choi Sing (Leslie Cheung), der durch eine Übernachtung im Orchideen Tempel sein ganzes Leben veränderte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Marschall Yin Chek Hsia (Wu Ma) muss er den Kampf gegen den mächtigen Baumgeist aufnehmen und lernt dabei die schöne Nip Siu Sin (Joey Wong) kennen, in die er sich verliebt. Doch die Liebe hat einen großen Haken: Das Mädchen ist ein Geist, hat aber die Chance wiedergeboren zu werden. Ihre Urne muss aber begraben werden und damit endet auch die Geschichte in Teil Eins. Der Schuldeneintreiber und sein neuer Freund, der Mönch verabschieden sich voneinander mit dem Versprechen, wenn einer in Not ist, dann kommt der andere und hilft. Und Ling Choi Sin gerät natürlich gleich in der ersten Szene in arge Bedrängnis, als er in einem Gasthaus essen und übernachten möchte. Das Wirtshaus gehört Kannibalen, die Gäste für die Speisekarte abschlachten. Plötzlich wird er von den Menschenfressern und auch von den Gesetzeshütern gejagt mit dem Ergebnis, dass er ins Gefängnis kommt. Dort teilt er seine kleine Zelle mit dem Gelehrten Elder Chu (Ku Feng), der ihn am Tag der geplanten Hinrichtung zur Flucht verhilft. Kindlich-naiv wie Ling Choi Sin nunmal ist, entwendet er einem taoistischen Mönch (Jacky Cheung) sein Pferd und in einer verlassenen Villa tauchen natürlich wieder die Geister auf. Auch Rebellen sind vor Ort und mit den beiden Schwestern Windy (Joey Wang) und Moon (Michelle Reis) hat der junge Mann gleich zwei Optionen für die große Liebe. Windy sieht sogar aus wie Siu Sin, die immer noch in der Urne ist. Die beiden Schwestern wollen ihrem Vater helfen, der für ein Verbrechen beschuldigt wird, dass er nicht beging. Der einflussreiche Mann fiel einem fiesen Komplott zum Opfer. Doch zuerst müssen die Protagonisten mit einem Dämon fertig werden und dann taucht auch noch ein mächtiger Tao-Priester (Lau Shun) mit seinem Gefolge auf...



Und der entpuppt sich als der stärkste Dämon überhaupt mit phänomenalen Fähigkeiten. Er hat auch die besten Szenen des Films und gesamthaft ist die Fortsetzung auch gut gelungen, denn die Geschichte macht Spass, auch wenn sie lediglich den Inhalt von Teil 1 geschickt variiert und im Grunde nichts Neues bietet. Aber man merkt, dass die Macher sich große Mühe gaben und die Begeisterung kommt auch beim Publikum an. Ein vergnüglicher Wuxiabeitrag und Leslie Cheung zeigt einmal mehr seine Vielseitigkeit. Leider ist dieser beliebte Schauspieler aufgrund von Depressionen im Jahr 2003 freiwillig aus dem leben geschieden - er bleibt unvergessen mit Filmen wie "Lebewohl meine Konkubine", "Ashes of Time" oder "Happy Together". In China ist er nach wie vor einer der beliebtesten Schauspieler überhaupt.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.