Montag, 5. Dezember 2016

Star Trek Beyond

























Regie: Justin Lin

Was uns hinter dem Nebel erwartet.....

Die drei bisherigen neuen "Star Trek" Filme (Star Trek 2009, Star Trek Into Darkness 2013 und Star Trek Beyond 2016) werden als "Reboots" der legendären TV-Serie "Raumschiff Enterprise" und der bisherigen Star Trek Filme von 1979 bis 2002 bezeichnet. Tatsächlich sind diese drei Weltraumabenteuer, die auch die Vorgeschichte von Captain Tiberius Kirk und seine Crew beleuchten soll, als kassenträchtige Blockbuster konzipiert worden, nachdem die Star Trek Next Generation Movies im Kino eher untergingen. So spielte "Star Trek" 385 Millionen Dollar weltweit ein, der Nachfolger "Into Darkness" mit einem attraktiven Bösewicht (Benedict Cumberbatch) brachte es gar auf 467 Millionen Dollar. "Beyond" hat da mit bisherigen 343 Millionen Dollar Einspielergebnis das Nachsehen.
Qualitativ hinkt er wirklich dem Vorgänger etwas hinterher, denn es wurde m. E. an einigen Stellen des Films zuviel Wert auf technische Schauwerte und eine Masse an CGI Trick gelegt, die die Story dann auch leider etwas nebensächlich behandelt und phasenweise fast ins Aus drängt. Es gibt aber auch eine Menge positiver Aspekte: Simon Pegg wächst immer mehr in die Rolle von Scotty hinein. Im Duo funktionieren Spock (Zachary Quinto) und PilleMcCoy (Karl Urban) bestens. Spock darf weiterhin in Uhura (Zoe Saldana) verliebt sein, die endlich auch einen markanteren Part bekommen hat als good old Nichelle Nichols. Der Zuschauer erfährt auch etwas über die sexuelle Orientierung der Crew. Während Scotty auf Amazonen im All (Sofia Boutella) abfährt, hat Sulu einen Boyfriend zuhause, sie haben gemeinsam ein glückliches Adoptivkind. Schön, dass auch schwule Lebensgemeinschaften ganz normal geworden sind im Weltraum, in den unendlichen Weiten.  Wir schreiben das Jahr 2284. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und beim Abspann erklingt sogar die Enterprise TV-Melodie, eine der schönsten Szenen des gesamten Films. Und das meine ich nicht böse.
Die Crew der Enterprise ist bereits 3 Jahre im Auftrag der Vereinten Föderation der Planeten auf Erkundung des Weltalls. Eine kleine Pause dürfen sich die Crewmitglieder auf der riesigen Raumstation Yorktown ein Päuschen gönnen. Kirk (Chris Pine) soll zum Admiral ernannt werden, was aber das Ende seiner Raumfahrtenleidenschaft bedeuten würde und Spock erfährt, dass sein Vater verstorben ist und denkt daran auf seinen Heimatplaneten Vulkan zurückzukehren und kleine Spocks zu zeugen.  Doch vorher hat die Enterprise noch eine Rettungsmission zu leisten. Die einzig überlebende Kalara (Lydia Wilson) gibt an, dass ihr Schiff auf Altamid, einem Planeten innerhalb der großen Nebelzonen, gestrandet ist. Die Enterprise bereit sich auf eine Rettung vor, doch sie wird in einen Hinterhalt gelockt. Teile der Enterprise werden von einem riesigen Schwarm kleiner Schiffe zerissen. Der Bösewicht, der diesen Bienenschwarm an Angriffsschiffen befehligt, heißt Krall (Idris Elba), eine mächtige mutierte Alienkreatur. Er will unbedingt in den Besitz der Reliquie Abronath gelangen, die sich in Kirks Besitz  befindet. Dien Enterprise verliert die Schlacht im All. Wichtige Teile werden vom Schiffskörper abgetrennt, die Untertassensektion ist funktionsunfähig und liegt auf einem fremden Planeten. Dort nimmt Krall den größten Teil der Enterprise Besatzung gefangen. Lediglich Kirk und Chekow sowie Spock und Pille landen mit ihren Rettungskapseln irgendwo auf dem Planeten. Auch Scottie hatte Glück. Er trifft sogar auf die Kriegerin Jaylah, die sich bald als gute Hilfe im Kampf gegen Krall herausstellt...


An der technischen Machart gibts nichts auszusetzen, das ist gewohnt auf hohem Niveau gemacht worden. Auch wenn die Schnitte dann bei den Weltraumkämpfen sehr schnell und etwas hektisch präsentiert werden. Ich mag die Star Trek Filme und ich würde "Beyond" irgendwo im Mittelfeld einordnen. Der Film ist nicht schlecht, aber richtig gut ist er auch nicht geworden. Es fehlt dann doch am Charme der alten Fernsehserie, den einige der alten Star Trek Filme auch vermitteln konnten. Gegenüber "Into Darkness" ist das Drehbuch von Simon Pegg dann doch "nur" solide, obwohl einige Neuerungen auf alle Fälle gut integriert wurden.  Regie führte Justin Lin, der einige der"Fast and Furious" Filme inszenierte. Ein Garant für effektive visuelle Effekte. Darstellerisch gefällt mir Zoe Saldana am besten, dicht gefolgt von Pille Karl Urban,



Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Samstag, 26. November 2016

10 Cloverfield Lane

























Regie: Dan Trachtenberg

Bunker oder Gefängnis ?

Matt Reeves "Cloverfield" aus dem Jahr 2008 ist mit einem Einspielergebnis von 170 Millionen Dollar weltweit der bislang fünfterfolgreichste Found Footage Film überhaupt. Mehr Kasse machten nur der inzwischen schon legendäre "Blair Witch Project" und die drei ersten Teile von "Paranormal Acitifty". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Produzent J. J. Abrams (auch Regisseur von "Super 8" oder einigen der neuen "Star Trek" Filme) nun eine Art Blutverwandten zu "Cloverfield" realisierte. Regie in "10 Cloverfield Lane" führt der Debütant Dan Trachtenberg.
Diesmal ist aber nicht der Angriff der ausserirdsichen Riesenmonster in New York das Thema, sondern der Horror kristallisiert sich auf engstem Raum in einem Bunker. Aber zuvor verlässt die junge Michelle (Mary Elisabeth Winstead) mit ihrem Auto ihren Boyfriend Ben (im Original leiht Bradley Cooper die Stimme) und kehrt New Orleans den Rücken. Ihr Ziel: Louisiana. Währenddessen hört sie im Radio von einigen seltsamen Stromausfällen. Sie wird abgelenkt, weil Ben mehrmals versucht ihr anzurufen. Plötzlich wird sie von einem Auto von der Straße abgedrängt und samt dem Wagen stürzt sie einen Abhang hinunter. Nach ihrer Ohnmacht wacht sie in einem Kellerraum auf, der sich schnell als Bunker herausstellt. Denn der sonderbare und etwas wortkarge Howard (John Goodman) stellt sich der jungen Frau als ihr Retter vor.  Natürlich will die Frau so schnell wie möglich wieder nach Hause, doch Howard gibt ihr zu verstehen, dass während ihrer Ohnmacht ein chemischer oder atomarer Angriff - möglicherweise von Ausserirdischen - stattfand und draussen alles verseucht ist. Michelle und Howard sind auch nicht allein in diesem sicheren Bunker, der einige Annehmlichkeiten bietet - der Arbeiter Emmett (John Gallagher Jr.) konnte sich ebenfalls vor der Katastrophe retten. Emmett half dem exzentrischen Verschwörungstheoretiker Howard beim Bau dieser sehr teuren Zuflucht. Michelle ist aber von Anfang an misstrauisch. Sie glaubt, dass es andere Gründe gibt, warum Howard sie im Bunker festhält, obwohl es doch glaubhafte Indizien für eine Verseuchung draussen gibt, die ein Leben dort für mehrere Monate unmöglich zu machen scheint. Während Howard das Szenario draussen fürchtet, wird für Michelle immer mehr die gefühlte Gefangenschaft unerträglich. Sie versucht gemeinsam mit Emmett einen Plan zu schmieden, um aus der Zwangswohngemeinschaft auszubrechen...



Und dies geht nicht ohne ein bisschen Langeweile, zumindest in der Mitte des Films hat man das Gefühl, dass dem Szenario und den Dialogen die Puste ausgeht, weil sich die drei Protagonisten immer wiederholen. Dann aber dreht Dan Trachtenberg merklich am Spannungsschalter und Schritt für Schritt gehts dann tatsächlich in Richtung Hochspannung. Im Schlußteil des Films darf sich Michelle ein bisschen wie Sigourney Weavers Ripley in "Alien" fühlen - ein aus einem Badevorhang zusammengeflickter Schutzanzug macht es möglich. Entsetzen sorgt auch ein Faß von Perchlorsäure. Ingesamt ist den Machern ein guter und klaustophobischer Genrebeitrag gelungen. Auch an der Kinokasse war "10 Cloverfield Lane" mit 108 Millionen Dollar weltweit ein guter Erfolg beschieden.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 25. November 2016

Neon Demon

























Regie: Nicolas Winding Refn

Frisches Blut für den Jungbrunnen...

Seit "Walhalla Rising" bin ich ein Fan des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn. Dieser Historienfilm war sehr karg inszeniert und der Wikinger-Abgesang wurde sehr polarisierend aufgenommen. Sein Neo-Noir "Drive" mit Ryan Gosling war da schon eher was fürs Massenpublikum - trotz düsterer Note spielte der Film weltweit 76 Millionen Dollar ein. Da war "Only god forgives" wieder viel sperriger - ein verstörender Bankok-Thriller - ebenfalls mit Ryan Gosling in der Hauptrolle - der sehr stark auf eine beeindruckende Bildsprache (Kameramann: Larry Smith) setzte und mit dieser stylishen Kulisse einen merkwürdigen Gegensatz zu dem verdreckten und verdorbenen Hintergrund setzte. Genau dasselbe Motiv ist auch in seinem neuen Werk "Neon Demon" dominierend, der Film wird von den meisten Kritikern als Horror-Thriller angesehen. Vermutlich auch wegen einiger drastischer Szenen aus dem Bereich des Bodyhorrors. Dabei ist der Bilderrausch, den der Däne auf den Zuschauer loslässt, noch drastischer gestaltet als beim Vorgänger. Die Argentinierin Natasha Braier war für diese exzellente Kameraarbeit verantwortlich. Aber auch Kostüme, Ausstattung und visuelle Effekte sind grandios und gehören mit zum besten was man im Kino dieses Jahr zu sehen bekam.
Hauptfigur ist die sechzehnjährige Jesse (Elle Fanning). Ein richtiges schönes Mädchen und dabei wirkt das junge Girl sogar total natürlich. Ihrer Kleinstadt irgendwo in Georgia hat sie den Rücken gekehrt und versucht in Los Angeles als Model Fuß zu fassen. Sie macht ein Fotoshooting mit dem jungen Dean (Karl Glusman), dem das Mädchen ausserordentlich gut gefällt. Dabei hat Jesse angegeben, sie wäre bereits 18 Jahre alt. Sie stellt sich in einer rennomierten Modelagentur vor und hat gleich den durchschlagenden Erfolg bei der Agentin, die ihr ein gleich ein Treffen mit dem angesagten Fotografen Jack (Desmond Harrington) besorgt. Mit der Maskenbilderin Ruby (Jena Malone) kommt sie schnell in Kontakt. Diese nimmt sie auf eine angesagte und schräge Party mit. Dort lernt sie die beiden schon etwas älteren und erfolgreichen Models Sarah (Abbey Lee) und Gigi (Bella Heathcote) kennen. Beide sind ebenfalls mehr als beeindruckt von der natürlichen Schönheit des jungen Mädels und fragen sie über ihr Sexleben aus. Jesse hat sich vorübergehend in einem Motel einquartiert. Nach einem eher schüchternen Date mit Dean geht sie in ihr Motelzimmer zurück, wo ein Puma durchs Fenster kam und dort ein Chaos hinterließ. Der Manager (Keanu Reeves) verlangt, dass sie den Schaden bezahlen muss. Den begleicht Dean, der sich in Jesse verliebt hat. Doch für die Liebe hat Jesse wenig Zeit. Sie macht ein Casting beim Modedesigner Robert Sarno (Allesandro Nivola), der ebenfalls von ihrer Attraktivität verzaubert wird. "Sie hat das gewisse Etwas" und sogar ohne das der Schönheitschirurg an den Problemstellen nachgeholfen hätte. Dies fördert die Eifersucht von Sarah und Gigi. Auch Jesses neue Freundin Ruby hat so ihre heimlichen Obsessionen, wie der Zuschauer bald bemerkt. In ihrem zweiten Job im Leichenschauhaus vergeht sie sich an einer Toten...




Je länger der Film läuft, desto mehr streut Nicolas Winding Refn surreale Komponenten in die Handlung, die den Film in gewisser Weise rätselhaft machen. Eine Menge von Symbolik deutet sich bei einer Szene an, als sich Jesse auf einer Toilette verletzt und Sarah gierig versucht - statt zu helfen - das Blut der jungen und schöneren Konkurrentin zu trinken. Diese Szene wird am Schluß noch einmal in einem weitaus exzessiveren Rahmen wiederholt und bestätigt. Die provokanten Themen wie Nekrophilie, sexuellen Mißbauch und Kannibalismus werden stellenweise mit kunstvoll erhöhten Bildern präsentiert. Diese stilisierte Machart sorgt für eine gewisse Distanz zum Gezeigten Horror. In diesen Szenen ist die Einordnung in die Horrorsparte sicher gerechtfertigt - allerdings finde ich eher, dass "Neon Demon" zeigt, dass hinter einer schönen Fassade der fieseste Abgrund lauert. So gesehen ist eine Verwandtschaft mit David Lynchs Filmthemen gegeben. Man wird erinnert an die Idylle der amerikanischen Kleinstadt aus "Blue Velvet", auch dort lauert bei näherer Betrachtung Gewalt, Sadomasochismus und Perversion.
Mir ist zwar der Schluß von "Neon Demon" etwas zu symbolisch überfrachtet, aber insgesamt ist der Film wie seine drei Vorgänger ein klasse Film mit viel Faszination. Klasse auch Elle Fanning als Jesse und Jenna Malone als "Freundin" Ruby.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 22. November 2016

Terra Formars





















Regie: Takashi Miike

Schaben auf dem Mars...

Nach seinen erfolgreichen Ausflügen in das Reich klassischer Filminszenierungen, zieht es Japans Enfant Terrible Takashi Miike seit einigen Monaten wieder eher zu seinen schrägen Konzepten zurück. Yakuza Apocalypse" war ein irrer Film, der sicherlich vor allem den Fans des Regisseurs gefiel. Auch "Terra Formars" ist ein aberwitziges Trash-Gore Fest - nicht für jedermann geeignet. Obwohl die Tendenzen für einen ernsten Science Fiction Blockbuster angelegt wären. Denn thematisch geht sein Mars-Film genau in die Richtung eines seiner Lieblingsfilme: "Starship Troopers" von Paul Verhoeven. Dennoch trennen beide Filme Welten - während Verhoevens Film nach dem Roman von Robert A. Heinlein ein enorm düsterer und nachdenklicher Film ist - trotz dem ihm unterstellten faschistischeen Symboliken, hetzerischen Parolen und einem enormen glorifizierendem Militarismus.
"Terra Formers" ist zwar cool und stylish inszeniert - manche Szenen sind echte Hingucker - aber dennoch kommt nie eine bedrückende Atmosphäre im Kampf mit den Bug auf. Vermutlich liegt es daran, dass "Terra Formars" die Realverfilmung eines populären Mangas ist. Trotz allem dürfte Miike damit einen der schrägsten Marsfilme ever gemacht haben - als Double Feature gemeinsam mit "Ghosts of Mars" von John Carpenter sicherlich ein unschlagbares Trashduo.
"Terraformers" spielt im Jahr 2597 in Tokio. Dort rekrutiert der überdrehte Bösewicht und Wissenschafter Honda (Shun Ogori) mit seiner genauso irren Assistentin Sakakibara (Rita Fukushima) Kriminelle, denen die Todesstrafe droht als Soldaten im Kampf gegen Schaben auf dem Mars. Man braucht den Mars als neuen Lebensraum für die übervölkerte Erde, die ähnlich aussieht wie in Ridley Scotts "Blade Runner". Zu diesem Himmelfahrtskommando aufbrechen müssen die Geschwiser Shokichi (Hideaki Ito) und Nano (Emi Takai), der Kömpfer God Lee (Kane Koshugi), der Hacker Hiruma (Takayuki Yamada), der junge Jin (Tomohisa Yamashita) und 6 weitere Crewmitglieder(Rinko Kikuchi, Ken`ichi Takito, Eiko Koike, Mariko Shinoda, Rina Ohta und Masayo Kato) denen der Wissenschaftler vor dem Abflug ins All
ein Spezialgift verabreicht hat, das sie zu Riesen-Käfern verwandeln kann. Diese Fähigkeiten braucht es auch auf dem Mars, denn die Schaben, die von der Menschheit vor einiger Zeit dort ausgesetzt wurden, sind inzwischen zu 2-Meter großen Muskelpaket-Bugs mutiert. Gleich nach der Landung werden einige der Soldaten von den Bugs getötet - und der Rest merkt immer mehr, dass der Kampf gegen diese Vielzahl von Bugs beinahe aussichtslos ist...



Die Käfer-Fähigkeiten werden von Miike sehr effektiv dargestellt, bevor die Menschen sich in den stärkeren Käfer verwandelt, der es halbwegs mit dem übermächtigen Gegner aufnehmen kann. Schön auch die Tsunami artige Sequenz. Es werden immer mehr. Unterhaltsam ist der Kampf zwischen Mensch und Kakerlaken auf dem Mars allemal - aber da die meisten Charaktere im Film nicht so wichtig sind, kommt auch keine immense Spannung auf.  Die Liebe zum Detail wertet dieses Manko wieder einigermassen auf. Dennoch muss man abgefahrene Filme mögen, um "Terra Formars" genießen zu können.



Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Orca, der Killerwal

























Regie: Michael Anderson

Ein Wal sieht rot...

Dino de Laurentiis war einer der erfolgreichsten Filmproduzenten - sein erster Welterfolg gelang ihm mit "Bitterer Reis" von Giuseppe De Santis im Jahr 1949. Durch diesen Film wurde auch Silvana Mangano zum Weltstar und zu seiner Ehefrau. Es folgten weitere Filmhits wie "Toto und die Frauen", "La Strada" (dafür erhielt er den Oscar), "Das Gold von Neapel", "Krieg und Freiden", "Die Nächte der Cabiria", "Barabbas", "Die Bibel", "Unser Mann in Rio", "Waterloo", "Die Höllenhunde", "Serpico", "Wilde Pferde", "Ein Mann sieht rot" "Zwei Missionare", "Die drei Tage des Condor", "Die Sklavenhölle der Mandingos" "King Kong" "Flash Gordon", "Ragtime", "Conan, der Barbar", "Dead Zone", "Dune", "Hannibal" oder "Blue Velvet" - in den 70ern sprang er auch auf den erfolgreichen Zug auf, Spielbergs Tierhorror "Jaws" mit weiteren fiesen Killertieren zu kopieren. Aus dem weißen Hai wurde ein weißer Büffel und auf hoher See war auch ein Kampf mit einem Schwertwal, auch bekannt als Orca. Walfänger gaben diesen sehr sozialen Meeressäugern den Namen "Killerwal" - aufgrund der oft brutalen Jagdmethoden dieser riesigen Tiere. Wobei man nicht vergessen sollte, dass diese imposanten Geschöpfe vom Mensch gejagt wurden und nicht umgekehrt. "Orca, der Killerwal" hieß auch Laurentiis Filmproduktion, die zwar gemessen an dem riesigen Einspielergebnis "Jaws" eine Enttäuschung war, aber dennoch ganz gut in den kinos lief. Inszeniert wurde das Meeresabenteuer von Michael Anderson (In 80 Tagen um die Welt, Flüsternde Schatten, Die den Tod nicht fürchten, In den Schuhen des Fischers, Doc Savage) und die Besetzung ist reich an populären Darstellern.
Damals waren aber die Kritiken niederschmetternd, dennoch hat sich der Film im Laufe der Jahre einen gewissen Kultstatus bei Tierhorror-Movie-Fans erworben.
Die Handlung ist aber extrem absurd und das Drehbuch von Sergio Donati und Luciano Vinzenconi ist ein echter Kandidat für die Goldene Himbeere.
Die Wale sind intelligent und die Meeresbiologin Rachel Bedford (Charlotte Rampling) studiert diese Tiere. Man hat auch schon herausgefunden, dass die Tiere miteinander kommunizieren, sie geben ihren Kindern bestimmte Jagdtaktiken weiter und die Lautäußerungen sind vielschichtiger als die menschliche Sprache. Diese Forschungen interessieren Nolan (Richard Harris), den Kapitän eines kanadischen Walfängers nicht. Er jagt Meerestiere, weil er viel Geld dafür bekommt. Seine Mannschaft besteht aus dem alten Seebären Novak (Keenan Wynn), Paul (Peter Hooten) und Annie (Bo Derek - die spätere Traumfrau). Er kann die Meeresbiologin und ihren Kollegen Ken (Robert Carradine) vor einem weißen Hai retten. Da Orcas noch viel mehr Geld als Haie bringen, wird Nolan aus reiner Gier zum Jäger von Orcas. Trotz Warnungen wegen der Gefährlichkeit des Unternehmens und der möglichen Rache des Wals fährt er wieder mit seiner Besatzung aufs Meer. Als sie eine Herde Orcas treffen, verletzt er aus Versehen ein trächtiges Weibchen, die sich durch eine Schiffsschraube noch schwerere Verletzungen zufügt. An Bord verliert sie ihr Ungeborenes und stirbt. Dies alles sieht das Männchen und sinnt auf Rache. Nolan glaubt zuerst nicht an das Ammenmärchen, aber im Fischerdorf erzählt ihm der Indianer Umilak (Will Sampson) einige Legenden über die Rachsucht des Tieres und auch die Dorfbewohner sehen großen Unglück aufkommen. Sie nötigen Nolan zum Entscheidungskampf auf dem offenen Meer, nachdem der Orca tagelang das Dorf terrorisiert und die Häuser am Hafen abfackelt. So kommt es zum Entscheidung auf hoher See und der Orca lockt die Crew ins nördliche Eismeer. Auf dem Packeis kommt es zum Showdown..



Die Geschichte ist sehr schwachsinnig, aber was mir an "Orca der Killerwal" sehr gefällt ist die Tatsache, dass der Film immer auf der Seite des Tieres steht und auch zum Nachdenken anregt wer Killer ist und in welche Territorien der Mensch tötend eindringt. Das Drehbuch sieht dabei auch noch vor, dass der rücksichtslose Nolan spät auch daran erinnert wird, dass auch er seine Familie verloren hat und kommt zum Schluß, dass Orca seine Familie noch viel mehr lieben muss als er selbst. "Er ist ich" oder so ähnlich lautet sein Fazit und am Ende steht nur noch die Todessehnsucht und die Lust für sein Vergehen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Darüberhinaus sind auch die Bilder in "Orca der Killerwal" gut gelungen. Wer die Story nicht allzu ernst nimmt, der wird mit dieser sehr traurigen Jagd gut unterhalten. Klasse auch der Score von Ennio Morricone.



Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Sonntag, 13. November 2016

Desierto

























Regie: Juan Cuaron

Mauerbau oder Hasenjagd.....

Am 24. Januar 2017 wird feststehen welche fünf Länder eine Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film bekommen. Unter den mehr als 80 Anwärter sind Kim Jee-Woon mit "Age of Shadows" (Südkorea), "Unter dem Sand" von Martin Zandvliet (Dänemark), "It´s only the end of the World" von Xavier Dolan (Kanada), "Elle" von Paul Verhoeven (Frankreich), "Fire at Sea" von Gianfranco Rossi (Italien), "Julieta" von Pedro Almodovar, "Afterimage" von Andrzej Wajda (Polen), "Toni Erdman" von Maren Ade (Deutschland) aussichtsreich - aber auch der mexikanische  Actionthriller "Desierto" von Jonas Cuaron hat Chancen. Durch den Sieg von Donald Trump zum US-Präsidenten ist das Thema des Filmes sogar noch aktueller geworden. Denn er war es, der ja durch Slogans wie "Mauer hochziehen zwischen USA und Mexiko" seine Meinung zu den Einwanderern kund gegeben hat. Und wenn man dann noch seine Aussage "Ich kann jemand auf der Straße abknallen, ohne dass es mich Wählerstimmen kosten würde" dazu nimmt, dann ist der Bösewicht in "Desierto", ein gewisser Sam (Jeffrey Dean Morgan) genau der Typus Mensch, der dieser theoretischen Gerede über  Abschottung gekoppelt mit viel Rassismus, brutale Taten folgen lässt. Der Mann geht mit seinem treuen und zur blutrünstigen Bestie erzogenen Schäferhund im Pick-up (das Lieblingsauto eines Serienkillers) auf Jagd. Zuerst muss ein Hase dran glauben, aber dann entdeckt Sam in der Wüste einige illegale Einwanderer, die heimlich über die Grenze gekommen sind. Was er noch nicht weiß: Diese Gruppe ist sehr schnell zu Fuß, vier andere folgen in einem gewissen Abstand, weil sie erschöpft sind. Zu dieser langsamen Gruppe gehört Moises (Gael Garcia Bernal), der seinen kleinen Sohn wieder sehen will - ausserdem die junge Adela (Alondra Hidalgo), ein sehr erschöpfter Mann und Mechas (Diego Catano), einer der Schleuser. Und das Quartett hat zuerst mal Glück, denn sie werden von Sam nicht gesehen, der seine Knarre geladen hat und nun als unerbittlicher Grenzkontrolleur tätig wird - da die acht Mexikaner gerade durch eine Sandpfanne laufen, sind sie optimale Opfer seiner scharfen Schüsse. Schockiert beoachten die vier Überlebenden dieses unglaubliche Szenario, was die Knarre nicht vollendet, wird vom Hund erledigt. Und natürlich werden sie von Sam entdeckt. Die Jagd geht weiter...


Jonas Cuaron ist der Sohn des Regisseurs Alfonso Cuaron, der mit Filmen wie "Harry Potter und der Gefangene von Askaban",  "Y tu mama tambien", "Children of Men" und "Gravity" weltberühmt wurde. Der Regie-Youngster schrieb schon gemeinsam mit seinem Vater das Drehbuch zum oscargekrönten Weltraum-Abenteuer "Gravity". Optisch ist "Desierto" gut gelungen, eine überzeugende Kameraarbeit von Damian Garcia. Allerdings hat der Film das Problem, dass weder der Serienkiller noch die Opfer, die um ihr Leben rennen, besonders markant herausgearbeitet werden. Auch wenn Gael Garcia Bernal die Hauptrolle spielt. Er bleibt dennoch etwas farblos - auch Jeffrey Dean Morgan als Redneck ist gewöhnungsbedürftig. Denn so richtig nimmt man ihm den brutal agierenden Jäger nicht ab. Interessant aber seine Beziehung zu seinem Hund. Leider muss der treue Vierbeiner seinen Gehorsam mit dem Leben bezahlen - dies erst lässt den Killer richtig wütend werden, vorher legte er das Gewehr sehr ruhig und ohne Emotion an. So enttäuscht der Film leider ein bisschen, weil auch die Spannung nur durch einige Logiklöcher aufrechterhalten bleibt - denn wer bleibt schon in der ganzen Nacht in der Nähe des Tatorts, wo sich der Täter nach aller Wahrscheinlichkeiit auch noch der Gunman aufhalten muss. Erst am anderen Morgen - nach einem ausgiebigem Schlaf wachen Opfer und Täter nicht mal hundert Meter voneinander entfernt auf. Also wenn man auf mich Jagd macht, dann suche ich in jeder Sekunde das Weite. Aber dann wäre vielleicht auch die Jagd zu Ende. Ich bin gespannt, ob dem Film aufgrund der aktuellen politischen Tendenz "Angst vor Fremden zu haben" eine Oscar-Nominierung gelingt.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.